Block 4: Nuovo Corviale

Leben im Beton
Eine multi-mediale Performance über eine gescheite(rte) Architektur

Vor zehn Jahren eröffnete die Vierte Welt ihre Tore im NZK, im Neuen Zentrum Kreuzberg. Der markante Block im Herzen des Bezirks wurde Heimat des widerständigen Raumes für Performance, Philosophie und Debattenkultur rund um den Regisseur Dirk Cieslak und die Dramaturgin Annett Hardegen. Zum zehnjährigen Bestehen widmet die Vierte Welt dem Block als Ort einer gescheiterten Utopie zum vierten Mal eine multi-mediale Performance und blickt dazu nach Rom:

Am Rand der Stadt, ohne Anbindung doch in Sichtweite, steht der Block „Nuovo Corviale“. Der Beton zieht sich über einen Kilometer schnurgerade durch die karge Landschaft. Die Architektur folgt einem perfekten Plan eines Lebens in Gemeinschaft, das nichts vermisst. Geschäfte, große Wohnungen mit einladenden Räumlichkeiten, Versammlungsorte, Grün. Allein der Traum erfüllt sich nie.

Das Ensemble der Vierten Welt sammelte die Stimmen des Blocks, und erzählt die Geschichte(n) der gescheite(rte)n Architektur aus der Perspektive ihrer Bewohner. Zum Vorschein kommt mit performativen, fotografischen, filmischen und klangvollen Elementen ein geisterhaftes Märchen voller Wahrheiten und Fiktionen über die Bedeutung eines ebenso großartigen wie trostlosen Ortes.

Ein gefallener Wolkenkratzer

Im Zentrum Kreuzberg liegt die Vierte Welt am toten Ende einer Ladengalerie, die nie als solche funktioniert hat. Der Block könnte fast überall auf der Welt liegen: in den Banlieues von Rom oder Marseille, in Victoria Island oder Bogotá. In ihrer Reihe „Der Block – Leben im Beton“ nimmt die Vierte Welt eine Verbindung von Block zu Block auf und baut eine Brücke zwischen den (un)gleichen Geschichten eines Hauses in Berlin und Rom.

Der Block ist das Wrack einer gestrandeten Utopie. Das Leben darin ist das globale Projekt für eine funktionale Stadt, am Reißbrett erdacht. Die Geschichte der Blocks, ob sozialistischer oder westlich-kapitalistischer Couleur, ist die Geschichte der Fortschrittsmoderne und ihres Verfalls, der mit dem Eintritt in die neoliberale Epoche, den Gated Comunities und Public Private Partnerships endet.

Konzeption & Regie Dirk Cieslak, Annett Hardegen | Dramaturgie Annett Hardegen | Produktions-leitung Martina Neu | Ausstattung Valentina Primavera | Film Federico Neri | Performance Marcus Reinhardt, Elena Caronia, Fiorella Di Gregorio, Aurora Alfieri, Johanna Ackva, Carry McILwain | Sound-design Macarena Solervicens Ruz | O-Ton-Aufnahme: David Matteucci | Drohnenpilot: Daniele Romano | Ausstattung Mitarbeit Rom Elina Vaakanainen | Technik Sebastian König | Interviewpartner: Monica Melani (Mitreo-Roma) Sara Braschi, Sofia Sebastianelli, Maria Rocco (Laboratorio Città Corviale) und den Einwohner*innen: Aisling Pallotta, Angelo Scamponi

Premiere                           28. Januar 2021, 20 Uhr
Vorstellungen                  29. / 30. Januar & 30. April sowie 1. Mai 2021, 20h
Ort                                      Neues Zentrum Kreuzberg |
Galerie 1. OG | Kottbusser Tor | Adalbertstr. 96
Ticketpreise                     11€ |7€ | 3€
Tickets unter                    karten@viertewelt.de |
Informationen                 www.viertewelt.de

Ein Projekt der Vierten Welt, gefördert durch Senatsverwaltung für Kultur und Europa und den Fonds darstellende Künste.