Brandenburger Maerchen

Eine dokumentarische Theaterproduktion zur lokalen Euthanasie-Geschichte

Im Gedenkjahr an die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Morde 2017 setzt sich die dokumentarische Theaterproduktion mit den Krankenmorden in Brandenburg an der Havel aus Sicht der Stadtbewohner auseinander und erzählt von ihrem Umgang mit dieser Vergangenheit. Die Berlin-Premiere findet in der Hörsaalruine des Berliner Medizinhistorischen Museums (BMM) auf dem Gelände der Charité – einer Schaltzentrale für die Umsetzung des damaligen Vernichtungsprogramms – statt.

1939 wurde die ehemalige Strafanstalt mitten in der Stadt Brandenburg heimlich zu einer „Euthanasie-Anstalt“ umgebaut. Zwischen Januar und Oktober 1940 wurden dort über 9.000 Patienten aus verschiedenen Krankenhäusern der Region vergast und anfänglich auch verbrannt.

Die Geschichtensammlerin Daniela Klein ging in einer zwei-jährigen Recherche der Frage nach, was die Stadtbewohner damals von der Tötungsaktion wussten und was für Spuren dieses Wissen in ihren Leben hinterließ. Sie forschte in Archiven und sprach mit über 150 Zeitzeugen, Nachfahren und Wissenschaftlern, wobei auch neue Aspekte über die Vergangenheit ans Licht kamen. Klein verdichtete das Gehörte zu Märchen, einer Erzählform, die dem grausamen und verschleierten Inhalt sowie dem mündlichen Charakter dieses kollektiven Narrativs am ehesten entspricht. Der Regisseur Reimund Groß bearbeitete diese Geschichten dramaturgisch und inszenierte sie mit einem Ensemble aus professionellen Schauspielern und Laien.

Die Hörsaalruine des Berliner Medizinhistorischen Museums, in der die „Brandenburger Märchen“ gezeigt werden, verweist auf eine Zeit, als Teile der deutschen Medizin in verbrecherischer Weise die Menschenwürde mit Füßen traten. Eine kurze Einführung zum historischen Kontext gibt in Berlin die Medizinhistorikerin Dr. Astrid Ley; in Brandenburg und Potsdam Daniela Klein. Publikumsgespräche finden jeweils nach den Vorstellungen statt.

6., 8. November 2017, um 19:30 Uhr im Brandenburger Theater
7. November 2017, um 18.00 Uhr im Brandenburger Theater

Grabenstr. 14 | 14776 Brandenburg/Havel | Eintritt: 10,- / erm. 7,- € | Schulklassen 5 €
Infos + Karten: 03381/511-111 www.brandenburgertheater.de

11., 12. November 2017, um 20:00/17:30Uhr BERLIN PREMIERE!
in der Hörsaalruine des Medizinhistorischem Museums der Charité
Campus Charité Mitte, Charitéplatz 1, 10117 Berlin | Karten: 12,- /erm. 8,- €
Vorverkauf: Museumskasse des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité oder info@hauptkulturdorf.de

19., 20., 22. November 2017, um 20 Uhr im Spartacus e.V.
Friedrich-Engels-Str. 22 | 14473 Potsdam | Eintritt: 7,- /erm. 5,- € + VVK-Kosten
Karten: www.tixforgigs.com

Idee, Recherche, Text  und Produktionsleitung: Daniela Klein | Regie und Dramaturgie: Reimund Groß | Schauspiel: Gernot Frischling, Jenny Boettcher, Marlene Schultke, Reimund Groß, Sebastian Ihlenfeldt | Komposition und Akkordeon: Bardo Henning | Scherenschnitte:  Nina Braun| Licht: Arndt Sellentin| Projektleitung: Katrin Werlich

Ein Projekt des Kulturvereins Päwesin e.V. in Kooperation mit der Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde in Brandenburg a. d. H. Förderer und Kooperationspartner: Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, Landeshauptstadt Potsdam, Brandenburger Theater, Ge.DenkOrt.Charité, Spartacus e.V.