Das Festival Alter Musik Bernau

Von 23.-25.August 2019 feiert das Festival in der 500 Jahre alten Kirche St. Marien

2019 ist ein besonderes Jahr für die kleine Stadt Bernau am Rande der Metropole Berlin, denn eines ihrer bedeutendsten Bauwerke feiert Jubiläum: Die Marienkirche, seit 26 Jahren Austragungsort des Festivals Alter Musik, wird 500 Jahre alt.

Das Eröffnungskonzert „Marammè! I Vicerè” zeigt das Zusammentreffen zweier musika­lischer Welten: traditionell-heidnisch Musik begegnet den Klängen der christlichen Hochkultur. Der süditalienische Musiker Mario Sollazzo fand sich für dieses Konzertprogramm mit südamerikanischen Kollegen zusammen. Südamerika wie Süditalien wurden über mehrere Jahrhunderte von spanischen Vizekönigen (den Vicerè) regiert, die rigide versuchten ihr Verständnis des Christentums durchzusetzen. In Süditalien scheiterten die Spanier dabei an der Einführung der Inquisition. Mit rituellen Trommelklängen, klagenden, rufenden, schreienden und lachenden Stimmen, Maultrommel, Flöten, Gitarren und Calascione greift die Musik die Begegnung der Kulturen auf.

Das vielleicht längste Clavierstück des 16. Jahrhunderts entstammt der Feder des deutschen Komponisten Hans Leo Hassler. Er schrieb 31 Variationen über eine Melodie, die in ganz Europa verbreitet war. „Ich gieng einmal spatieren“ ist ein Ausnahmewerk, in dem alle Variationen ineinander übergehen. Im Nachtkonzert wird es interpretiert von Gösta Funck, einem Spezialisten für historische Tasteninstrumente.

Geschichten aus St. Marien in Bernau präsentiert die Figurenspielerin Gabriele Koch am Samstagnachmittag in „Mit dem Thespiskarren durch St. Marien“ und stellt damit das 500-jährige Gebäude der Kirche ins Zentrum ihrer Darbietung. Musikalisch begleitet wird sie von Schülern der Musikschule Barnim und einigen Musikern der lautten compagney, die auch in diesem Jahr wieder für das Festivalprogramm verantwortlich zeichnet.

Die preisgekrönte Sopranistin Hanna kommt für das Konzert „Krieg & Frieden // 1618 : 1918“ zum ersten Mal nach Bernau. Ihre Leidenschaft gilt der Alten Musik, sie ist aber auch in der Interpretation zeitgenössischer Musik erfahren. Das Hauptkonzert am Samstagabend macht nun überraschende Parallelen zwischen den Kriegsjahren 1618 und 1918 hörbar und zeichnet tiefsinnige Seelenstudien über Angst, Vergänglichkeit und Sehnsucht.

Zum Abschluss des Festivals am Sonntagnachmittag entwirft Händel in seinem dramatischen Oratorium die Protagonistin „Susanna“ als einen starken Charakter entwirft die Protagonistin „Susanna“ als einen starken Charakter, als mutige und selbstbewusste Frau, wie man sie in der Sakralmusik dieser Zeit nur selten findet. Sein Oratorium ist ein (durchaus auch humorvolles) Loblied auf die eheliche Liebe. Das Festival Alter Musik Bernau übernimmt diese Gemeinschaftsproduktion der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und des Theaters Naumburg mit Vokalsolisten aus dem 60. Weimarer Meisterkurs, dem Naumburger Kammerchor und der lautten compagney, das für den Naumburger Dom szenisch erarbeitet wurde, als konzertante Aufführung

ORT St. Marienkirche Bernau | Kirchgasse 8 | 16321 Bernau bei Berlin
TICKETS 35,- bis 20,- Euro (evtl. zzgl. VVK Gebühren)
TICKETVERKAUF www.reservix.de
TICKETVERKAUF 01806700733 (20/40 ct aus Festnetz/ Mobilfunknetz)

DAS FESTIVALPROGRAMM IN KÜRZE

Freitag 23. August 2019 | 19:00 Uhr
Marammè! I Vicerè! – Madonna! Die Vizekönige!
Ensemble Alraune | Musikalische Leitung: Mario Sollazzo
Tarantelle, Pizziche und Volkslieder aus Süditalien, Stücke aus dem Codice Trujillo aus Südamerika sowie Kompositionen von Giovanni Battista Pergolesi, Francesco Durante, José Marín und anderen

Freitag 23. August 2019 | 22:30 Uhr
Ich gieng einmal spatieren
Gösta Funck, Cembalo
31 Variationen von Hans Leo Hassler

Samstag 24. August 2019 | 16:00 Uhr
Mit dem Thespiskarren durch St. Marien
Gabriele Koch, Geschichtenreich Börnicke e.V., Inszenierung | Schülerinnen der Musikschule Barnim | Musikerinnen der lautten compagney BERLIN
Geschichten, Fantasien und Theaterspiel aus St. Marien und Bernau

Samstag 24. August 2019 | 19:30 Uhr
Krieg & Frieden // 1618 : 1918
Hanna Herfurtner, Sopran | lautten compagney BERLIN | Leitung: Birgit Schnurpfeil
Lebenslust und Seelenschmerz in Zeiten des Krieges
Deutsche Musik des 17. Jahrhunderts mit Werken von Heinrich Schütz u.a. sowie Musik des 20. Jahrhunderts von Fried¬rich Hollaender und Hanns Eisler

Sonntag 25. August 2019 | 16:00 Uhr
Susanna | Dramatisches Oratorium von Georg Friedrich Händel
Vokalsolisten aus dem 60. Wei¬marer Meister¬kurs | Naumburger Kammerchor | lautten compagney BERLIN | Leitung: Wolfgang Katschner
Eine Gemeinschaftsproduktion der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar mit dem Theater Naumburg

Die lautten compagney BERLIN
2019 feiert die lautten compagney BERLIN ihr 35-jähriges Bestehen. Sie blickt auf eine ausgesprochen reiche und intensive Zeit zurück, in der sie wiederholt ihre Wandlungsfähigkeit auf höchstem künstlerischen Niveau unter Beweis gestellt hat: vom Lautenduo, gegründet in der DDR in einer Zeit, zu der historisch informierte Aufführungspraxis ein heiß diskutiertes Feld meist als „Müsligeiger“ belächelter Spezialisten war, hat sich das Ensemble nach der Wende zu einer gefragten Kammermusik- und Opernformation entwickelt – nicht zuletzt Wolfgang Katschners Händel-Preis von 2004 dokumentiert dies. Seit über zehn Jahren zählt die lautten compagney BERLIN zur europäischen Spitze der Barockensembles. Die neueste Selbsterfindung des Ensembles schlägt sich in bahnbrechenden Repertoire-Kombinationen und intelligenten Wort-Musik-Programmen nieder. So gesehen stellt die lautten compagney BERLIN auch die Avantgarde des klassischen Musikbetriebs dar: Jenseits oft bemüht wirkender Programme mit zeitgenössischer Musik lädt sie ihr Publikum regelmäßig dazu ein, die „Klassische Musik“ neu zu erfahren und Wahrnehmungsschranken zu überwinden.
Seit mittlerweile sechs Jahren zeichnet die lautten compagney BERLIN für das Festivalprogramm in Bernau verantwortlich.
Seit mehr als drei Jahrzehnten faszinieren die Konzerte unter der künstlerischen Leitung von Wolfgang Katschner ihre Zuhörer*innen. Ganz gleich, ob als Kammerensemble oder als Opernorchester: Mit ansteckender Spielfreude und innovativen Konzepten überwindet das Ensemble immer wieder Grenzen und sucht die Begegnung mit neuen Klängen und anderen Künsten.

Förderverein St. Marien Bernau e.V.
Der Förderverein wurde 1991 gegründet. Er sieht seine Aufgabe in der Erhaltung und Pflege der Kunstschätze der St.-Marien-Kirche, die als spätgotische Hallenkirche noch heute ihre unveränderte Innenausstattung besitzt. Der Förderverein möchte die Kirche, die das Zentrum der hübschen Kleinstadt Bernau bestimmt, möglichst vielen Menschen öffnen. Gerahmt von der prächtigen Architektur der spätgotischen Kirche mit ihren reichen Kunstschätzen präsentiert der Förderverein nun bereits seit 25 Jahren im September das Festival Alter Musik.

Weitere Informationen unter
http://www.altemusik-bernau.de/
http://www.lauttencompagney.de
www.ensemblealraune.com
www.funck.eu
www.lauttencompagney.de