Die wahre Geschichte

Eine theatrale Sonderermittlung des Ensembles der jtw spandau

Das Ensemble der jtw spandau greift in seiner bevorstehenden Premiere mit einer grotesken, sprachgewaltigen Parabel die Generationenkonflikte unserer Zeit auf. Unter der Leitung von Carlos Manuel verknüpfen die zwanzig Darsteller*innen zwischen zehn und 70 Jahren für „Die wahre Geschichte“ mehrere Erzählungen miteinander und zeichnen ein kritisches Porträt der Gegenwart:

In einem fernen Land (oder doch mitten unter uns?) geht das Gerücht um, die Herrscher verschlängen in feierlichen Banketten Kinder. Mit einer theatralen Sonderermittlung geht das Ensemble der jtw spandau den Kannibalismusvorwürfen nach, lässt sich die Sicht vom Alkohol vernebeln, halluziniert, schöpft erneut Kraft und verstrickt sich im Konflikt der Generationen, in Vetternwirtschaft und Korruption.

Kannibalismus als ein zentrales Motiv „der wahren Geschichte“ verweist nicht nur auf den Sinnspruch der Revolution, die ihre Kinder frisst; es ist auch Sinnbild für unsere zeitgenössisch-kapitalistische und -kolonialistische Gesellschaft, in der die Jugend aufbegehrt, die Politik herausfordert und doch kein fruchtbarer Dialog zwischen Jung und Alt zu entstehen scheint. Diese Gesellschaft lebt auf Kosten der nachfolgenden Generationen, ihrer Kinder. Den Kindern bleiben nur drei Möglichkeiten: sie rebellieren, sie begreifen das System und führen es fort oder sie werden gefressen. Eine reale Fiktion mit Schlager-Musik und großen Kostümen.

Die jtw spandau arbeitet seit 30 Jahren in der Tradition der Volkstheater und ermöglicht eine Zusammenarbeit von professionellen Kunstschaffenden mit Laien, die von beiden Seiten als Bereicherung erlebt wird. Alle können sich beteiligen. Es gibt keine Gebühren, kein Casting, keine Bildungsschranken oder Alterskontrollen. Auf der Bühne trifft sich ein Ensemble ohne professionelle Maske, das einen Querschnitt der Gesellschaft zeigt.

Für die wahre Geschichte kooperiert die jtw spandau erstmals mit dem angolanischen Künstler João Ana, der ein bewegliches Bühnenbild aus Bambus für die Produktion baut.

Ergänzt wird die Produktion durch eine Konferenz am 21. September, zu der am Nachmittag Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Disziplinen ihre Thesen zum Raubbau an der zukünftigen Generation darlegen.

Von und mit dem 14-köpfigen Ensemble der jtw spandau

Regie, Dramaturgie: Carlos Manuel | Bühne: João Ana | Kostüm: Verena Hay

Informationen:                             www.jtw-spandau.de
Premiere                                       30. August 2019, 19 Uhr
Weitere Vorstellungen              Sa 31.8./ Mo 2.9. / Fr 6.9 / Sa 14.9. / So 15.9. / Sa 21.9.
                                                          
Sa 7.9. (mit Gebärdenübersetzung)
                                                           So 8.9. (mit Audiodeskription)
                                                           So 22.9. (mit Kinderbetreuung)
Konferenz                                       21. September, ab 14Uhr
Ort                                                    jtw Spandau
Preise                                               frei, Spenden erbeten
Dauer                                               2 Stunden

Eine Produktion der jtw spandau, gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds