Freies Theater

Freies Theater

Fünf Erinnerungen, wie es werden könnte

Was ist eigentlich frei im „Freien Theater“? Wo liegt sie, diese Freiheit? Ist sie längst von Ideologie und Hoffnung umnebelt? Ist sie im Verlauf der Zeit abhanden gekommen – oder war sie nie wirklich da?

In einer neuen Performance-Reihe der Vierten Welt widmen sich fünf Theatermacher diesen Fragen und machen sich vor dem Hintergrund ihrer eigenen Geschichte auf die Suche nach dem Besonderen im Freien. Der Glauben an das Freiheitsversprechen begründet sich für jeden von ihnen in einer subjektiven Erfahrung von Freiheit. Er basiert auf einem Moment, der es vermochte, die eingeübten Praktiken und Sichtweisen des Theateralltags zu durchbrechen und ein anderes Schaffen möglich zu machen.

In Erinnerung an ihren jeweiligen „Moment der Freiheit“ im Theater gehen Dirk Cieslak, Annett Hardegen, Matthias Meppelink, Cornelius Puschke und Nadine Vollmer zurück auf Null. In fünf Stücken, szenischen Einrichtungen oder Akten rekonstruieren sie mit zahlreichen Mitstreiterinnen das, was ein freies Theater gewesen sein könnte und unterziehen es damit einem Reality Check.

Zum Auftakt begeben sich zwei junge Absolventinnen der Royal Central School of Speech and Drama und Dirk Cieslak zurück in das  Jahr 1970, an die Schaubühne am Halleschen Ufer, wo „Die Mutter“ von Maxim Gorki – mit der legendären Therese Giehse in der Hauptrolle – gegeben wurde.

Mit „Erstes Showing“ öffnet Matthias Meppelink gemeinsam mit Boris Nikitin, Manuel Gerst und Sebastian König für ein Wochenende die Probebühne des Gießener Instituts für Angewandte Theaterwissenschaften am Kottbusser Tor.

Für „/me followed by an action“, dem dritten von fünf Teilen, untersucht Cornelius Puschke im Juni mit Beiträgen mehrerer Künstler*innen das Potenzial von Messengern für ein Theater, in dem das Publikum aktiv ist und handelt.

Im Herbst 2018 erinnert sich Annett Hardegen mit Malte Scholz und dem Professor für Theaterwissenschaften Jan Lazardzig an das Jahr 2000: Ausgehend von den Videodokumentationen von „Shoppen und Ficken“ (Ostermeier) und „Genesis“ (Castellucci) und dem Film „Agenciamentos: Félix Guattari e o Animismo Maquinico“ (2012) soll eine Videoarbeit entstehen. Sie ist der Rahmen der Perfomance von Scholz und Lazardzig. Mit: „es möchte sich erinnern, an etwas, das noch gar nicht war“ entsteht eine Überschreibung/Überschreitung von Geschichte mittels Referenz und Zitat, dokumentarischem und fiktionalem Material und durch Vermischung verschiedener Techniken und Schulen. Im Akt des Durchquerens der Theatergeschichte, in der Wiederholung der Ereignisse von einst, geht es um ein Erinnern an etwas, das nie stattgefunden hat.

zwischen Deleuze und Guattari, der Antipsychologie von La Borde und einer ewigen Schuld der Nazi-Erben suchen sie nach der Lücke zwischen dem Humanen und der Subjektivität. In diesem Spalt ist das Denken und die Kunst angeblich frei.

Im fünften und letzten Teil versammelt Nadine Vollmer Weggefährt*innen und Vorbilder und sucht in Abschieden und Neuanfängen nach dem Potential des freien Theaters, immer wieder von vorn zu beginnen. Denn: “Wir müssen das alles leider, leider, leider neu erfinden”.

Von Dirk Cieslak, Annett Hardegen, Matthias Meppelink, Cornelius Puschke und Nadine Vollmer

Erster Teil: 3.-5. Mai 2018, 20 Uhr
Dirk Cieslak: Das Versprechen
Dirk Cieslak mit Ben Päffgen, Noa Carvajal.

Zweiter Teil mit zwei verschiedenen Abenden: 19. Mai 2018 (erstes Showing) und 20. Mai 2018 (Kritikgespräch)
Matthais Meppelink: Erstes Showing
Von und mit: Manuel Gerst, Sebastian König, Matthias Meppelink, Boris Nikitin
Beide Abende sind nur im Kombiticket erhältlich

Dritter Teil: 23. und 24. Juni 2018
Cornelius Puschke: „/me followed by an action“
Von Cornelius Puschke, mit Beiträgen von: !Mediengruppe Bitnik, Chris Kondek & Christiane Kühl, Ligna, Philip Widmann, N.N., N.N.

Vierter Teil: Herbst 2018
Annett Hardegen: „es möchte sich erinnern an etwas, das noch gar nicht war“
Annett Hardegen mit Malte Scholz, Federico Neri und Prof. Jan Lazardzig

Fünfter Teil: Herbst 2018
Nadine Vollmer: „Wir müssen das alles leider, leider, leider neu erfinden!“
N.N.

Vierte Welt| Neues Zentrum Kreuzberg| Galerie 1. OG | Kottbusser Tor| Adalbertstr. 96
Preise:  11,- Euro |3,- Euro | 7,- Euro
Tickets unter karten@viertewelt.de oder 0157-88440941

Vierte Welt mit Matthias Meppelink, Cornelius Puschke, Nadine Vollmer gefördert durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin Senatskanzlei – Kultur und Europa und den Fonds Darstellende Künste.