Metamorphosen

Eine Theaterproduktion der jtw spandau mit les pieds dans la mare, Elfenbeinküste

Die jtw-Bürgerbühne Spandau fragt sich in ihrer Inszenierung von Ovids Metamorphosen an der Seite des ivorischen Tanz-Ensembles les pieds dans la mare nach den eigenen Grenzen:  Wo beginnt der Einflussbereich der anderen? Wie greifen Privates und Öffentliches in diesem mythologischen Text ineinander? Und was hat dies für die Machtverhältnisse von heute für eine Bedeutung?

Politische Brüche sind biographische Brüche.

Viele von Ovids Erzählungen von der Entstehung der Welt prägen das kulturelle Gedächtnis in Europa, haben sich Teils in die Sprache selbst, teils in zentrales Kulturgut verwandelt, das seit Jahrhunderten den westlichen Kanon prägt: Von Narziss über Orpheus bis hin zu Arachne berichten die oft brutalen Geschichten von der neidvollen Begegnung der Götter mit den Menschen.

In der Regie von Carlos Manuel und Jenny Mezile (Choreographie) bringen 28 Darsteller zwischen 17 und 78 Jahren ausgewählte Geschichten der Metamorphosen in wechselnden Rollen auf die Bühne. Die collagenartige Erzähltechnik Ovids spiegelt sich in der Inszenierung, die Musik, Raum, Tanz und Theater gleichberechtigt einsetzt und das althergebrachte Erzählgut lebendig werden lässt.

Zivilisation ist Zähmung der Körper.

Berlin-Falkenhagener Feld und Abidjan-Bracody gelten als Sammelbecken sozialen Versagens und des Neuanfangs. In beiden Vorstädten wird Kriminalität als Privatisierung sozialer Konflikte verstanden. Der gravierende Verlust von öffentlicher Sphäre und öffentlichem Raum oder der spürbare Rückzug ins Private bestimmen die aktuellen Veränderungen der Stadtteile. Sind auch hier die Auswirkungen öffentlicher – die Ursachen privater Natur wie es in Ovids Metamorphosen häufig der Fall ist? Und wessen Interessen stehen dahinter?

Die jtw spandau arbeitet seit 30 Jahren in der Tradition der Volkstheater und ermöglicht eine Zusammenarbeit von professionellen Kunstschaffenden mit Laien, die von beiden Seiten als Bereicherung erlebt wird. Jeder, der will, kann sich beteiligen. Es gibt keine Gebühren, kein Casting, keine Bildungsschranken oder Alterskontrollen. So existiert die Bürgerbühne als munterer Querschnitt der Gesellschaft und ist kein Marketingtool oder Vermittlungsangebot für „echtes“ Theater, sondern versteht sich als Ensemble ohne professionelle Maske, die das Leben auf die Bühne bringt.

Jenny Meziles Tanz-Gruppe les pieds dans la mare arbeitet ohne festes Haus und trifft sich sechs Mal wöchentlich an unterschiedlichen Orten in Abidjan zu Proben. Jenny Mezile bindet dabei wie die jtw die Kunst immer wieder an das umgebende Stadtviertel an und erarbeitet mit Laien fast akrobatischen zeitgenössischen Tanz. Das Ensemble kommt mit sieben Tänzern nach Berlin.

Premiere: 16. Juni 2018, 18 Uhr und neun weitere Vorstellungen:

17. Juni, 14 Uhr (mit Kinderbetreuung!)
18. und 25. Juni 2018, 10 Uhr (Schulvorstellungen)
22. Juni 2018, 19 Uhr (mit Gebärdensprache!)
23. Juni und 1. Juli 16 Uhr
24. Juni 14 Uhr
29 Juni, 19 Uhr
30. Juni 18 Uhr (mit Audiodeskription!)

Mit Darstellern und Performern der jtw Bürgerbühne und Tänzern von les pieds dans la mare, Abidjan Regie Carlos Manuel Choreographie Jenny Mezile Musik Chandra Bahadur Sunar Bühne Fred Pommerehn Kostüme Verena Hay Produktionsdramaturgie Julia Schreiner Technik Marvin Wrobel, Gilles Stein

Preis: Eintritt frei / Spende erwünscht
Tickets unter:
post@jtw-spandau.de und 030-375 87 623
Ort:
jugendtheaterwerkstatt Spandau | Gelsenkircher Straße 20 | 13583 Berlin-Spandau

Ein Projekt der jtw spandau in Kooperation mit les pieds dans la mare, Abidjan, unterstützt durch das Goethe Institut Abidjan, gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds Berlin.