Open Spaces

Mit (Deutschland-)Premieren von Felix M. Ott und Bahar Temiz; Wilhelm Groener; Moritz Majce & Sandra Man, Shannon Cooney und Juli Reinartz
einem Projekt von Martin Sonderkamp & Darko Dragičević
und einer performativen Installation von Kareth Schaffer

Von 11. bis 6. November 2017

Griechische Mythen sind bis heute im kulturellen Gedächtnis des Westens verankert und bilden einen Grundpfeiler unseres Selbstverständnisses. Mit einer Unzahl sehr menschlicher Götter und Göttinnen und ebenso glorreicher wie scheiternder Heldinnen und Helden dienen die uralten Erzählungen uns bis heute dazu, die Welt greifbarer zu machen und die Komplexität des Lebens zu verstehen. Es mag ein Zufall sein, dass das Erbe dieser Geschichten beim kommenden »Open Spaces« gleich für mehrere Künstler-, Tänzer, Performer-, Choreografen und Bühnenbildnerinnen der Ursprung ihrer Auseinandersetzung ist. So geht Kareth Schaffer Kassandras düsteren Prophezeiungen nach; Moritz Majce und Sandra Man setzen die Geschichte von Narziss und Echo als Rauminstallation um und Felix Ott, der sich für frühere Inszenierungen bereits mehrfach von der griechischen Mythologie inspirieren ließ, zeigt eine Arbeit, die in der Begegnung von Amor und Psyche ihren Anfang nahm.

ORT                 Tanzfabrik Wedding • Uferstr. 8/23 • 13357 Berlin • U-Bhf Pankstraße
PREIS              14,- / ermäßigt 9,- | Performative Installation & ongoing Project Eintritt frei
TICKETS
          organisation@tanzfabrik-berlin.de oder 030 20059270

 

Felix M. Ott & Bahar Temiz: M.A.R.S.
Performance Deutschlandpremiere

In »M.A.R.S.« untersuchen Felix M. Ott und Bahar Temiz unterschiedliche Arten, sich gemeinsam zu bewegen. Dabei navigieren sie als Instrumente einer ungewöhnlichen Partitur in inniger Komplizenschaft von einer Situation zur nächsten. Während die beiden sich an den Grenzen der Intimität bewegen, etablieren sie eine Spielfläche, die völlige Hingabe ermöglicht. Sie verschmelzen zu einem Geschöpf, um sich in der Beziehung zueinander neu zu erfinden. Es entsteht ein verstörendes Spiel, bei dem sich die beiden aus ihren Geschlechterrollen heben.

Seeking for a relation beyond narration.

Konzept, Performance: Felix Mathias Ott, Bahar Temiz | Sounddesign: Bojan Gagic | Lichtdesign: Bojan Gagic, Felix Mathias Ott  | Produktion: Inge Zysk | Eine Produktion von Felix Mathias Ott in Koproduktion mit der Tanzfabrik Berlin, BIT Teatergarasjen Bergen, Student Centre of the University of Zagreb – Culture of Change in the frame of APAP – Performing Europe 2020. In Kollaboration mit workspacebrussels.

Mi 1.11. + Do 2.11.   18:00   Uferstudio 1   14 /9 €

Wilhelm Groener: Schleppen
Performance · Premiere

Kräfte, die auf den Körper einwirken, aber auch solche, die von ihm ausgehen, machen in der neuesten Arbeit von Wilhelm Groener den Körper zur Reibungsfläche und zum Resonanzraum. »Schleppen« ist der erste Teil eines auf zwei Jahre angelegten, mehrteiligen Projekts, das sich mit Widerstand und Wandlung beschäftigt. Das Performerduo untersucht dabei unterschiedliche Teilaspekte des Themas und generiert performatives Material in vielfältigen Formaten.

Source of friction, space of resonance.

Konzept: WILHELM GROENER – Günther Wilhelm & Mariola Groener | Performance: Rudi Fischerlehner, Mariola Groener, Michelle Moura, Günther Wilhelm | Technik: Andreas Harder | Eine WILHELM GROENER Produktion. Gefördert durch die Basisförderung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, in Kooperation mit der Tanzfabrik Berlin.

Mi 1. – Fr 3.11.   20:30   Uferstudio 4   14 /9 €

 

Moritz Majce & Sandra Man: Narkosis
Raumchoreografie · Deutschlandpremiere

In ihren Raumchoreografien entwerfen Moritz Majce und Sandra Man Zuschauerräume, in denen Schauen und Hören zu unmittelbaren körperlichen Erfahrungen werden. Ihr Zugang sucht nach etwas anderem als dem spiegelbildlichen Gegenüber von Darsteller und Publikum. In »Narkosis« machen sie dieses narzisstische Verhältnis zum Thema und versetzen es in einen Schwebezustand: Zwischen Narzissmus als Gegenwartssymptom und dem antiken Mythos von Narziss und Echo, zwischen Blick und Stimme, Bild und Körper entfaltet sich ein Gleiten und Driften, das Selbstverliebtheit in Selbstvergessenheit verwandelt und den Zuschauerraum zu einer Höhle werden lässt.

Gliding between gaze, voice, image and body.
Idee, Konzept: Moritz Majce + Sandra Man | Mit: Charlie Fouchier, Christine Börsch-Supan und einem Raumchor | Eine Produktion von Moritz Majce + Sandra Man, gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds, unterstützt von der Tanzfabrik Berlin.

Do 2. + Fr. 3.11.   19:00   Sa 4. + So 5.11.    20:30  Uferstudio 14   14 /9 €

Sa 4.11.    After Talk 1  Im Anschluss an die Vorstellung

Shannon Cooney: Fielding
Performance · Premiere

»Fielding« ist eine Performance geleitet vom Wesen der Sehkraft. Shannon Cooney untersucht darin das Sehen als Form der Wahrnehmung von Bewegung; einerseits im Verhältnis zum Raum an sich, andererseits im Verhältnis zum Raum zwischen einander. Diese Beziehung ist geprägt vom Licht, vom Klang und von den Menschen und wird durch diese drei Phänomene in der akuten und dynamischen Gegenwart verstärkt.

accentuating the felt sense of seeing and being seen.

Konzept, Choreografie, Performance: Shannon Cooney, Alicia Grant, Claudia Tomasi | Sound: Marla Hlady | Licht: Emese Csornai | Kostüm: Ninia Gundlach | Dramaturgie: Igor Dobricic | Eine Produktion von Shannon Cooney, gefördert durch Canada Council for the Arts, unterstützt durch die Tanzfabrik Berlin, Rechercheförderung durch das Oxygen Art Centre, Nelson BC Canada, Weld Company, Stockholm, Çıplak Ayaklar Kumpanyası, Istanbul.

Sa 4. – Mo 6.11.   19:00   Uferstudio 5   14 /9 €

Juli Reinartz: YOU SAID YOU‘D GIVE IT TO ME – SOON AS YOU WERE FREE
Performance · Deutschlandpremiere

Ein Körper wird beim Tanzen gefilmt. Der Film zoomt rein und raus und registriert anatomische und performative Details. Die Kamera verwandelt den Körper in mikroskopisches Material, in sich bewegende Pixel und flackernde Bilder. Doch die Kamera existiert gar nicht wirklich. Sie stellt nur modellhaft die Perspektive des Publikums aus und lässt den Körper modifizierbares Material und begehrendes Subjekt zugleich werden. Dabei wird Juli Reinartz‘ Solo insgeheim zum Duett mit dem Publikum. Es wird cyborgfeministisch und durchsucht den Technokörper nach dem, was möglich geworden ist. Hier liegt vielleicht die wichtigste aller Fragen: Wie fühlt sich das alles an?

A metaphor with good intentions, an attempt with powerless means.

Choreografie, Performance: Juli Reinartz | Künstlerische Mitarbeit: Liz Rosenfeld | Dramaturgische Mitarbeit: Rose Beermann | Lichtdesign: Josefin Hinders, Bjoern Kuajara | Produktion: Tove Dahlblom | Mit Unterstützung von Slingan, DNA und Residenzen durch MDT und die Tanzfabrik Berlin. Recherche gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

So 5. + Mo 6.11.   18:00   Uferstudio 4   Eintritt: 14 /9 €
Sa 4.11.    After Talk 1  Im Anschluss an die Vorstellung

Martin Sonderkamp & Darko Dragičević: Approximations #6
Ongoing practice

Der bildende Künstler Darko Dragicevic und der Choreograf Martin Sonderkamp untersuchen die Gleichzeitigkeit zweier Prozesse: das Entfalten bestehenden und absenten Raumes in ein körperliches Inneres und die Erweiterung und Zeichnung eines Innenraums in ein räumliches Äußeres hinein. Auf der Grundlage dieser wechselseitigen Inskriptionen verhandeln die beiden Darsteller potenzielle Handlungsräume, in denen Raum und Körper als gleichrangige Akteure agieren. Bewegung und visuelle Sprache werden in elementare, choreographische Teilchen unterteilt. So werden die auf dieser Basis entwickelten affektiv-sensorischen Systeme, ihre unterschiedlichen Funktionen sowie ihre Platzierungen im Raum zu konkreten Formen ihres viszeralen und visuellen Dialoges.

Konzept, Performance: Darko Dragicevic, Martin Sonderkamp | Sounddesign: Tomas Wansing | Musik: William Basinski (The Deluge) | Eine Produktion des Collegium Hungaricum Berlin mit Darko Dragicevic und Martin Sonderkamp, unterstützt durch TanzFaktur Cologne, JSKD Ljubljana.

Sa 4.11.   18:00   Uferstudio 1   Eintritt frei

Kareth Schaffer: Cassandra has turned – 1
Work-in-Progress · Performative Installation

Lasst uns Cassandra, die alte Prophetin unbequemer Wahrheiten, wecken, sie abstauben, sie umdrehen und ins Licht halten! Kareth Schaffer findet in der antiken Prophetin ein lebendiges Archiv potentieller Zukünfte, alternativer Vergangenheiten, größerer und kleinerer Katastrophen und multiversaler Utopien. Der unaufhörliche Strom mehrsprachig gesprochen-, gesungen- und getanzter Prophezeiung spült den Staub aus Wahrheit und Lügen, aus Mythen und Legenden, aus rhetorischen Gesten und endlosen Choreografien ab. Ebenso wie sich das Publikum durch den Raum bewegt, bewegt sich in Schaffers performativer Installation ein Trio von Orakeln durch die Zeit.

A spontaneous creation of prophecies.

Konzept, Choreografie: Kareth Schaffer | Performance: Ilya Noé, Kareth Schaffer, Lisa Vereertbrugghen | Musik: Alessio Castellacci | Kostüm: Lena Mody | Eine Produktion von Kareth Schaffer.  »Cassandra has turned – 2« folgt 2018 in den Sophiensaelen.

So 5.11.   Einlass von 17:00-20:30   Uferstudio 1   Eintritt frei