TENNIS

Eine Tanzperformance erforscht Zusammenhänge von chronischer Krankheit und Klassismus

In der Tanzperformance Tennis untersucht Angela Alves Sport, Kunst und Gesellschaft nach ableistischen und klassistischen Diskriminierungsmustern und erkundet Methoden, diesen zu begegnen ohne die Nerven zu verlieren: Im Setting eines Tennis Courts nimmt die Tänzerin den Schläger in die Hand und macht sich bereit, für eine barrierefreie Zukunft aufzuschlagen. Als Crip-Künstlerin mit sogenanntem Unterschichtshintergrund markiert der Tennisplatz einen Raum, der für Angela Alves nie vorgesehen war. In Tennis behauptet sie den Platz für sich und macht ihn zu ihrem Ort für sanfte Selbstermächtigung.

Inklusion ist das, womit niemand rechnet.

Eine Ballwurfmaschine feuert Bälle ins Feld. Auf dem Hochsitz thront die Schauspielerin Athina Lange, die als Schiedsrichterin den Raum kontrolliert und die Regeln absteckt. Im Hintergrund der Tennistrainer auf der Leinwand, der dem Stress auf dem Spielfeld (nicht nur) mit Technik begegnet: Wie behauptet man sich in einem fordernden Spiel, wenn Stressvermeidung (der Krankheit – nein! – der Gesundheit wegen!) oberstes Gebot ist? Und wie entkommt man einem gesellschaftlichen System, das keine Grenzen kennt ohne sich geschlagen zu geben?

Angela Alves studiert für Tennis Aufschlag, Vorhand und Rückhand und übt lustvoll und unermüdlich die Bewegungsabläufe des Spiels, um einen Weg zu finden sie kreativ auf ihre Bedürfnisse anzupassen. Es entsteht eine humorvolle Choreografie der sensiblen Resilienz, die per Audiodeskription, Gebärdensprache und englischer Untertitelung im Hürdenlauf der Zugänglichkeiten zahlreiche Player*innen gezielt mitumgarnt.

Angela Alves studierte Tanz an der ArtEZ School of Dance in den Niederlanden und Tanzwissenschaft an der FU Berlin. Sie lebt und arbeitet als freie Choreografin in Berlin und ist Mitglied bei Backbone Berlin. In ihrer künstlerischen Arbeit verhandelt sie Wahrnehmungen und Konstruktionen von „gesunden“ und „kranken“ Körpern und interessiert sich für das subversive Potential dazwischen. Ihre Praxis fokussiert politische Dimensionen des unverfügbaren Körpers und untersucht dessen transformative Potenz anhand von Access-, Selbstermächtigungs- und Selbstfürsorgestrategien in klassistisch und ableistisch vorstrukturierten Räumen. Alves ist Mitbegründerin von TURN. Neue Bewegung für Multiple Sklerose e.V.  sowie IHMAR. Institute for Medical & Health Humanities and Artistic Research.


Performance: Angela Alves, Athena Lange | Konzept & Choreografie: Angela Alves
| Dramaturgie: Alex Hennig | Künstlerische Assistenz und Access Worker: Michel | Bühnenbild und Kostüm: Mascha Deneke | Film: Michelle Ettlin | Sound: Christoph Rothmeier | Lichtdesign: Susana Alonso |Tenniscoach: Ozan Filiz | Third Eye: Ania Nowak | philosophische Beratung: Svenja Flaßpöhler | medizinische Beratung: Sabine Schadow | Produktion: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro

Premiere/Uraufführung          23. September 2022, 19 Uhr Weitere Aufführungen   
24. September, 19 Uhr & 26., 27. September 2022,  20 Uhr
Ort                                           Sophiensaele, Sophienstraße 18, 10178 Berlin