This is not a Swan Song

gamut inc präsentiert ein Musiktheater über das Ende

„Endlich wird man meine Musik spielen“ – das sollen die letzten Worte von Hector Berlioz gewesen sein, laut einer Sammlung letzter Worte vieler Berühmter und Unbekannter. Manche dueser Sätze klingen bühnenreif, manche sind so unscheinbar, dass sie erst durch die Tatsache an Bedeutung gewinnen, dass es die letzten Sätze eines Lebens waren. Denn das Ende ist faszinierend und es lauert überall: seien es aussterbende Arten, nicht mehr entzifferbare Sprachen oder sicher geglaubte Gewissheiten.

Die elektro-akustischen Musiker Marion Wörle und Maciej Sledziecki aka gamut inc haben gemeinsam mit der amerikanischen Librettistin Leslie Dunton-Downer das Musiktheater „This is not a Swan Song“ entworfen, das sich –ausgehend von der Metapher des Schwanengesangs –assoziativ und vielschichtig dem Ende nähert. In halluzinatorischen Visionen singt ein Chor die letzten Worte aus Jüngers Sammlung. Anna Pavlova tanzt zum letzten Mal den sterbenden Schwan. Ein Lied in der ausgestorbenen Sprache der Tasmanier erklingt. Ein automatisches Akkordeon spielt wie von Geisterhand.

Die elektro-akustische Musik verbindet intensive elektronische Klänge mit E-Gitarre, eigenwillig bespieltem Schlagwerk, unorthodox klingenden Saiteninstrumenten und einem achtstimmigen Chor, der singt, zischt, und die letzten Worte bis zum Ende des Atems faucht. Tiefe elektronische Drones und Geräuschmusik verleihen dem Stück eine jenseitige Atmosphäre. Der Perkussionist und Lichtkünstler Michael Vorfeld spielt dabei auf selbst entworfenen vielsaitigen Monochorden und Perkussionsinstrumenten. Ausschnitte seiner Kollektion aussterbender Glühlampen und Kodak Carousel Diaprojektoren sind nicht nur Teil des Bühnenbilds, ihre Stromkreise und Betriebsgeräusche werden als feines Elektronenflickern hörbar in die Musik eingewoben.

Das Ende kann kommen.

Komposition und Produktion: gamut inc, Marion Wörle und Maciej Sledziecki,  Libretto: Leslie Dunton-Downer,  Performance: Jordan Rountree,  Gitarre: Maciej Sledziecki,  Elektronik: Marion Wörle, Perkussion, Saiten und Glühlampen: Michael Vorfeld,  Chorleitung Berlin: Antoine Daurat,  Klangregie Robert Nacken, Bühne gamut inc und Michael Vorfeld

Berlin Premiere                              18. Januar 2018, 20 Uhr
Weitere Vorstellung                    20. Januar 2018, 20 Uhr
Ballhaus Ost                                     Pappelallee 15 | 10437 Berlin
Eintritt                                                € 15,- / € 10,-
Karten                                                 030 440 39 168 | karten@ballhausost.de | www.reservix.de
Weitere Infos unter                      www.gamut-ensemble.de  und  www.satelita.de
Sprache                                            Englisch (und etwas Deutsch)

Biographische Infos zu Marion Wörle und Maciej Sledziecki (gamut inc)

WÖRLE und SLEDZIECKI aka gamut inc machen Maschinenmusik, Musiktheater, Film- und Hörspielmusik. Ihre computergesteuerten, selbst entwickelten Musikautomaten übersetzen antike akustische Überlegungen in eine Klangsprache der Jetztzeit. Sie veranstalten das WIR SIND DIE ROBOTER Festival, das sich der Maschinen- und Robotermusik widmet. Ihr Musiktheater GHOST TAPE XI thematisierte den Missbrauch von Musik im militärischen Kontext. ONE MORE PIONEER behandelte wiederum – frei nach einer Kurzgeschichte von David Foster Wallace – die Technisierung der Gesellschaft. Mit Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes setzten sie ihr polnisch-deutsches und weit beachtetes Projekt AVANT AVANTGARDE um, eine Reise zu musikalischen Experimenten vor dem 20. Jahrhundert.

Sie erhielten Kompositionsaufträge und Einladungen von renommierten internationalen Festivals (z. B. Acht Brücken Festival Köln, Jauna Muzica Vilnius, SWR Festival Attacca 2014, New Music Festival Gdansk 2016, Numusic Festival Stavanger, Audio Art Festival Krakow, Berghain Berlin, CTM Festival 2016, HKW Technosphärenklänge 2016). Sie komponieren regelmäßig für Film und Radio. Sie sind Mitbegründer des „Zentrums für Aktuelle Musik“ und betreiben seit 2009 den „satelita Musikverlag“, der sich aktuellen Musikformaten widmet.

 

Ein Projekt von gamut inc, gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Kulturamt der Stadt Köln, NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste, Kulturreferat der Landeshauptstadt München und Schwere Reiter Musik, Bezirksamt Pankow von Berlin.