Verlorene Illusionen

Ein Festival quer durch Spandau auf der Suche nach neuen Gesellschaftsverträgen

Die Jugendtheaterwerkstatt Spandau entwickelt mit zahlreichen Künstlern ein Festival, das mit acht Performances, Interventionen und wissenschaftlichen Diskursformaten an unterschiedlichen Orten quer durch den Bezirk am Rande der Hauptstadt ein gesellschaftliches Leben mit neuen Narrativen und Praktiken vorausdenkt.

Nicht nur die Migration hat das Zusammenleben in der Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten verändert. Auch die Einschnitte durch neue Technologien oder das entstandene Bewusstsein für die Endlichkeit natürlicher Ressourcen prägen die Superdiversität der gegenwärtigen Gesellschaft. Die Gesellschaftsverträge basieren dagegen auf einer 70-jährigen Gesetzgebung und müssten längst angepasst, umgeschrieben und erweitert werden: Die jtw macht sich mit dem Festival „Verlorene Illusionen“ unter Einbeziehung der Öffentlichkeit auf die Suche nach einer Spandauer Vision für ein zukünftiges gesellschaftliches Zusammenleben.

Die jtw spandau setzt sich seit vielen Jahren in unterschiedlichen Projekten mit dem zoon politikon, dem Menschen, seinen politischen Rechten und seiner Repräsentation auseinander. Sie ist ein Ort lebendiger Auseinandersetzung, für alle Menschen, die mit einem vielseitigen Netzwerk unterschiedlichster Berliner aber auch international tätiger Künstler arbeiten und einen Blick in die Zukunft wagen möchten, um Gegenwart zu verändern.

Von 15. bis 30. September 2018, zu unterschiedlichen Uhrzeiten
Zum Auftaktwochenende ist es möglich, auf einem kleinen Parcours mehrere der Kurzpräsentationen nacheinander zu sehen.

Orte und Adressen
jtw spandau Gelsenkicherstr. 20, 13583 Berlin
Militärhistorisches Museum der Bundeswehr – Flugplatz -Gatow, Am Flugplatz 33, 14089 Berlin
Münsingerpark | Park vor dem Rathaus Spandau | Nähe Eisdiele
Naturschutzstation Hahneberg | Heerstr. 549, 13593 Berlin
Paul-Gerhardt-Kirchgemeinde | Im Spektefeld 26, 13589 Berlin
Zitadelle Spandau | Am Juliusturm 64, 13599 Berlin

Eintritt frei! (Spenden erbeten)
Genaues Programm finden Sie im Anhang und unter www.jtw-spandau.de

Konzept: Julia Schreiner, Carlos Manuel Performances und Interventionen von Arthur Romanowski, Peggy Klinkert, Chandra Bahadur Sunar, Franziska Seeberg, Bassam Dawood, Laura Werres, Josep Caballero Garcia, dem Bürgerensemble der jtw spandau in Kooperation mit dem teatro Cazenga (Luanda): Carlos Manuel, Orlando Domingos Architektur/Raumgestaltung: Van Bo Le-Mentzel, Alaa Tellawi Leitung: Julia Schreiner

Das Festival Verlorene Illusionen ist ein Projekt der jtw spandau, gefördert durch den Senat Berlin (City Tax) und den Fonds Darstellende Künste.

CARLOS MANUEL und ORLANDO DOMINGOS
Das Leben ist Traum / A Vida e Sonho

Die deutsch-angolanische Koproduktion zwischen der jtw spandau und dem theatro Cazenga in Luanda nimmt mit jeweils 6 Spieler*innen den Text DAS LEBEN IST TRAUM von Calderon als Ausgangspunkt der Arbeit. Ihre verschiedenen Ansätze und Interpretationen tauschen sie seit Wochen über social medias aus und führen in Berlin gemeinsam auf.
Wie kann ich Einfluss nehmen? Was wären gerechte Modelle für die Welt? Wie entkomme ich den Erwartungen meiner Vorfahren? Gilt unser Generationenvertrag noch?

Format und Ort:                             Theater in der Zitadelle Spandau, Saal A
Termine:                                          15.09., 16.09., 21.09. (mit Gebärden-Übersetzung)
23.09. (mit Audio-Deskription für Sehbehinderte)
24.09. (Vormittag)
28.09, 30.09.2018
Dauer und Spieler*innen:           ca 90min und 12 Spieler*innen
Deutsch und Portugiesisch (mit Übersetzung)

Die Kooperation der jtw mit dem teatro Cazenga findet im Rahmen des Austauschprojekts A VIDA E SONHO / DAS LEBEN IST TRAUM statt, gefördert von engagement global (BMZ), unterstützt vom Goethe-Institut Luanda .

FRANZISKA SEEBERG
Heimatmuseum

Unter dem Titel „Heimatmuseum“ lädt ein Audiowalk zu einem Spaziergang durch das Falkenhagener Feld ein. Der Rundgang führt durch das Wohngebiet rund um die jtw und das Spektefeld, einem Naherholungsgebiet inmitten von Spandau. Das Falkenhagener Feld, ein Ortsteil Spandaus, vereint die unterschiedlichsten Lebensrealitäten in sich: Alteingesessene Berliner Gemeindestrukturen treffen hier auf russische, ghanaische oder afghanische Communities. Welche Ideen von Heimat kann man hier antreffen? Was verbinden die Menschen, die hier wohnen, mit dem Lebensraum, der sie umgibt? Und welche Plätze und Orte mögen sie hier besonders gerne – wo fühlen sie sich also beheimatet?
Aus den Stimmen der Anwohner*innen des Falkenhagener Feldes entsteht ein vielstimmigen Chor, der von den vielen Heimaten erzählt, die zu unserer geworden ist.

Format und Ort:                             AUDIO-WALK (der Beginn ist in der jtw Spandau)
Termine:                                          an allen Festivalspieltagen
Dauer:                                               ca. 50 Minuten

CHANDRA BERNS, JAVIER SALGUEIRO MONTOYA
(UN-)SICHTBARE SPUREN

Alle Menschen benutzen denselben Ort auf ihre eigene Art und Weise. Dort entfalten sie ihre Gewohnheiten, erträumen, erleben ihre Illusionen, besetzen ihn für eine kurze Zeit und verlassen ihn mit (un-)sichtbaren Spuren. Das Leben fungiert wie ein Ort der Begegnung. Menschen kommen und gehen wieder. Der Raum wird immer wieder mit unvorstellbaren Illusionen geprägt und am Ende, wenn die Menschen nicht mehr da sind, werden ihre (un-) erfüllten Illusionen wie (un-)sichtbare Spuren für die Ewigkeit bleiben.

Chandra Berns und Javier Salgueiro Montoya beschäftigen sich in dieser Sound -und Videoinstallation mit der Frage wie Raum, Zeit und Erleben miteinander verknüpft sind. Können spezifische Orte Multiplikatoren für Erleben sein? Wenn ja, wie sind diese Orte zu gestalten, damit sie (un-)sichtbare Spuren hinterlassen?

Format und Ort:              Video- und Sound-Installation im großen Saal der jtw spandau
Termine                             an allen Festivalspieltagen

ARTHUR ROMANOWSKI
NOTLANDUNG (AT)

Der Traum vom Fliegen ist einer der ältesten Träume der Menschheitsgeschichte, er kann beides bedeuten: Utopie und Dystopie, Überwindung und Zerstörung. Die Erfindung des motorisierten Fliegens Ende des 19. Jahrhunderts eröffnete auf der einen Seite neue Möglichkeiten des Transportes und ermöglichte dem Menschen vorher unüberbrückbare Distanzen in kürzester Zeit zu überwinden. Mit der Erfindung des Fliegens ist eine moderne Illusion verbunden. Die Illusion des technischen Fortschritts, der die Probleme der Menschheit löst. Von oben sehe ich, was du nicht siehst, und das bist du!

Aus Texten verschiedener Autor*innen (Antoine de Saint-Exupéry, Michel de Certeau, Beate Uhse, etc.) und eigenen Texten entsteht eine Textcollage, die am Flugplatz Gatow abheben wird.

Format und Ort:              Performance auf dem Flugplatz Gatow, Militärhistorisches Museum
Termine:                           15.,16., 23., 28. und 30. September
Dauer:                 ca. 1Std.

JOSEP CABALLERO GARCIA
MUTATIONEN

Ein utopischer Zukunfts-Bewegungs-Sound-Parcours, bei dem die Erfahrungen, das Wissen und die Weisheit der Natur den letzten überlebenden Menschen vermittelt wird. Wie haben Pflanzen, Bäume und Tiere überlebt? Welche Mutationen haben Sie entwickelt? Wo ist der ganze Müll und Plastik der Menschheit geblieben?

Format und Ort:              Tanz-Performance in der Naturschutzstation Hahneberg
Termine:                           15., 16., 23. und 28. September 2018
DAUER:               ca 40min

BASSAM DAWOOD
Hakawaki

Welche Geschichten erzählen sich die Menschen? Wie erzählen sie diese? Wie kann man seine eigene Geschichte erzählen? Der in Syrien bekannte Erzähler, Regisseur und Darsteller Bassam Dawood greift die traditionelle Erzählkunst Syriens, das Hakawati, auf und transformiert seine Erfahrungen als Erzähler in Berlin in neue Geschichten. Dabei wird nicht nur das eigene Leben in Deutschland befragt, sondern auch eine Zukunftsvision für unsere Gesellschaft „erzählt“.

Format und Ort: modernes Hakawaki (syrische Erzählkunst) in verschiedenen Cafés in Spandau, auf Arabisch mit deutscher Übersetzung und mit Musik.

Termine:                     15.09., 16.09. 23.,28., 30. September
Dauer:                         ca. 1 Std

LAURA WERRES / EVA BALZER
LEISES GEWÜHL

Tune in. Webt Euch ein. Sinnt Euch ein. Spinnt Euch ein. meet MIMOSA verwandelt sich in ein Labor für Community-Forschung. 12 Spieler*innen verschiedener Generationen untersuchen die Gemeinschaft von Menschen & Bäumen. Eine Performance. Ortsspezifisch. Sinnlich. Interaktiv. Inklusiv.

Künstlerische Leitung: Laura Werres und Eva Isolde Balzer | Spieler*innen: Marielle Folerzinski, Sabine Scholz, Savina Rudra, Iliyan Iliev, Jussi Reimann, Nora Haakh, Sarah Rohde, Cindy Quach, Anil Merickan, Emma Henrici, Angelika Hülsse.
Format & Ort:   Münsigner Park, direkt an S/U Rathaus Spandau, Nähe Florida Eisdiele
Aufführungen:                 15. (11 und 14 Uhr), 16. (14Uhr) und 22. (11 und 14 Uhr)
Dauer & Teilnehmer*innen:        ca 30Minuten 11 Spieler*innen

PEGGY KLINKERT
UN_GERECHT

„Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“ (Warren Buffet)

Eine gerechtere Welt, wie könnte sie aussehen? Die Gruppe um Peggy Klinkert diskutiert und bespielt Zeitungsberichte, das Grundgesetz, Menschenrechte, Interviews mit Kiezbewohnern und einzelne Gerechtigkeits-Ideen aus aktueller und der eigenen Sicht: Wie abstrakt kann Armut, Reichtum oder Gerechtigkeit sein? Was bedeutet „arm sein“ in Spandau? Welche Werte werden zur Bemessung des Wohlstands genutzt? Was kann oder soll dagegen getan werden? Wer profitiert davon? Es werden Lösungen entworfen, improvisiert und verworfen.

Format und Ort:                             Theater-Performance in der Paul-Gerhardt-Kirchgemeinde
Termine:                                          15., 16. um 14Uhr 18., 19. September 2018, um 18Uhr
Dauer & Teilnehmer*innen          ca. 30 Minuten / 7 Spieler*innen