music for the future

Eine Performance über Zwangsarbeit und Musik

Premiere am 15. Juli 2017, 19Uhr

Das Kunst-Kollektiv Institut für Widerstand im Postfordismus richtet seinen Blick auf die NS- Zwangsarbeit und beschäftigt sich in music for the future mit dem widerständigen Moment der Musik. In vielen Selbstzeugnissen von ehemaligen Zwangsarbeitern wird Musik wird Überlebensmittel benannt. Die Performance untersucht, was es bedeutete, in diesem System der Ausbeutung zu überleben und fragt: Kann Musik Wahrnehmung verändern? Wo liegt das Potential der Musik als Form des inneren Widerstands?

Ich habe zufällig ein englisches Soldatenlied zu hören bekommen: Pack up your troubles in your old kitbag and smile, smile, smile (..) Die Melodie ist frisch und hübsch. Ich summe sie bei meiner Arbeit vor mich hin und bin glücklich, dass ich das habe. Elisabeth Freund, ehemalige Zwangsarbeiterin

Zwangsarbeit war nicht nur physisches und psychisches Leid durch den ‚totalen Arbeitseinsatz’, sondern auch ein stetiges innerliches Nein der Zwangsarbeiter. Das fünfköpfige Kunst-Kollektiv um Elisa Müller interessiert sich für diesen diffizilen Zwischenbereich. Ausgehend von einer musiktheoretischen und historischen Recherche und der Arbeit mit biographischem Material aus verschiedenen Archiven, untersucht die Performance die Wirkkraft von Musik als realitätsverschiebendes Medium.

Das fünfköpfige Kollektiv taucht mit der Performance ein in die Tradition künstlerischer Gedenkkultur der NS-Geschichte. Die Künstlerinnen stellen die Konstruktion historischer Fakten der Dekonstruktion von künstlerischen Methoden gegenüber, um einen Raum dazwischen zur eigenen Narration zu öffnen.

Fakt oder Fiktion? – unter diesem Motto arbeitet das Kunst-Kollektiv Institut für Widerstand im Postfordismus seit 2014 in einer permanenten Praxis der Dokufiktion. Das wichtigste Projekt ist die Intervention „Welche Revolution(en) werden wir erlebt haben werden?“, die in verschiedenen Städten und Formaten zu sehen war und ab Sommer 2017 im Theater Vorpommern die Geschichte einer kommenden Revolution erzählt. Für music for the future arbeiten die fünf Künstlerinnen zum ersten Mal konkret historisch.

Zwangsarbeit war als rassistisches System der Ausbeutung und Verschleppung von Menschen in NS-Deutschland allgegenwärtig. Es war ein Massenphänomen, das wie selbstverständlich vor aller Augen stattfand und in Deutschland über 20 Millionen Menschen betraf. Etwa 3000 Sammelunterkünfte für ZwangsarbeiterInnen prägten allein das Stadtbild von Berlin. Das Weserflug-Lager auf dem Flughafen Tempelhof, auf dem auch die Performance stattfindet, war eines der größten.

von und mit Vega Damm, Michaela Muchina, Elisa Müller, Inga Anderson. Wissenschaftliche Beratung und Recherche Angelika Laumer, Bianca Schröder

Premiere am 15. Juli 2017, 19h
Weitere Vorstellungen: 16. Juli 2017 um 16 und um 19 Uhr und 17.-19. Juli 2017 jeweils 20h

ORT: Alte Zollgarage, Flughafen Tempelhof | Columbia­damm 10 (Bauteil F2), 12101 Berlin
TICKETS: Eintritt frei! | Reservierung über karten@ballhausost.de oder über 030 44039168 | http://www.ballhausost.de/karten/

Ein Projekt von Institut für Widerstand im Postfordismus und Gästen, in Koproduktion mit dem Ballhaus Ost und der Vierten Welt, gefördert von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“