Tanzfabrik Berlin – Open Spaces

Bei Open Spaces sucht die Tanzfabrik  nach den Ursprüngen der Bewegung

Die Tanzfabrik Berlin hat für Open Spaces vom 18. bis 26. Februar 2017 erneut ein Programm zusammengestellt, bei dem der zeitgenössische Tanz aus ganz unterschiedlicher Perspektive im Zentrum steht. Zwei Premieren laden dazu ein, zeitgenössischen Tanz kennenzulernen. Aber auch Gesprächsformate und Laborräume öffnen dem Publikum die Türen und bieten die Möglichkeit den Tanzschaffenden beim Bewegen, Denken und Arbeiten zuzusehen und in den Austausch mit ihnen zu treten.
Der Höhepunkt von Open Spaces ist die Premiere von Sleeping Technique von Dewey Dell. Die italienische Performancegruppe aus Cesena wirft einen Blick weit zurück in die Vergangenheit und lässt sich dazu von französischen Höhlenmalereien inspirieren, die vor etwa 36 000 Jahren entstanden sind. Die Kunst unserer Vorfahren versteckt sich im Herzen der Berge und scheint sich aus den Abgründen der Zeit an uns zu richten. So nimmt Dewey Dell in Sleeping Technique einen unmöglichen Dialog auf mit längst vergangenen Zeiten.
Bei Down to Earth, der zweiten Premiere von Open Spaces, widmen sich der Südafrikanische Tänzer und Choreograph Kieron Jina mit seinem deutschen Kollegen Marc Philipp Gabriel der Konstruktion von Identitäten. Ihr quirliger Tanz verdeutlicht, dass die universellen Fragen „woher kommst du?“ und „was machst du?“ die Komplexität des Themas längst nicht mehr abbilden.
Neben den beiden Uraufführungen bietet Open Spaces zahlreiche Foren zum Austausch über choreografische Praxis und Theorie. In verschiedenen Laborräumen arbeiten Künstler und Wissenschaftler an aktuellen Themen hinter verschlossenen Türen. Im Verlauf von Open Spaces öffnen sich diese Räume jedoch auch den Zuschauern. Showings und Diskussionsrunden gewähren dem Publikum Einblicke in die Bewegungs- und Denkprozesse, die die aktuelle Arbeit der Künstler prägen. Dies gilt für die Veranstaltungen „Collective Teatime“, „Studio 13“, das P´Laboratory und für die Präsentation des Dance On Ensembles. Aber auch für die beiden polnischen Tänzer und Choreographen Ramona Nagabczynskja und Karol Taminski, die ihre aktuellen Projektideen und Arbeitsweisen vorstellen.

All dies kann realisiert werden durch fruchtbare Partnerschaften mit dem P-Bodies Festival, der Freien Universität Berlin und dem Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin, dem Dance On Ensemble, PACT Zollverein Essen, Kollektive Arbeit, durch das advancing performing arts project – Performing Europe 2020 und vielen anderen mehr.

ORT: Tanzfabrik Wedding • Uferstr. 8/23 • 13357 Berlin • U-Bhf Pankstraße
TICKETS: organisation@tanzfabrik-berlin.de oder 030 20059270
PREIS: 14 € / ermäßigt 9 €

PROGRAMM IM EINZELNEN:

Dewey Dell
SLEEP TECHNIQUE
Uraufführung Berlin/Essen · Performance
A response to Chauvet Pont-d‘-Arc cave in Ardèche, France
Sa 25. + So 26.2.   20:30   Uferstudio 14   Eintritt: 14 €/9 €

Wenn wir eine Höhle betreten und prähistorische Malereien betrachten, entfacht sich eine starke, tiefgründige Beziehung. Wir fühlen ganz deutlich, dass die Vergangenheit uns ansieht, genauso wie wir auf sie starren. Die Kunst unserer Vorfahren versteckt sich im Herzen der Berge und scheint sich aus den Abgründen der Zeit an uns zu richten und zu rufen. “Sleep Technique“ ist ein Versuch den Dialog aufzunehmen. Eine unmögliche Antwort auf den unendlichen Reichtum, die uns der erste homo sapiens sapiens vor 36 000 Jahren hinterlassen hat: Felsenmalereien beheimatet in der Höhle von Chauvet-Pont d‘Arc.

Konzept: Dewey Dell (Agata, Demetrio, Teodora Castellucci, Eugenio Resta) | Mit Agata und Teodora Castellucci, Ivan Björn Ekemark, Enrico Ticconi | Choreografie: Teodora Castellucci | Musik: Demetrio Castellucci (Electroacoustics, granular synthesis, field recordings), Massimo Pupillo (Bass, Effekte) | Ausstattung, Lichtdesign: Eugenio Resta | Kostüm: Guoda Jaruseviciute | Gesang: Attila Csihar | Unterstützung: Dominique Baffier (Prähistoriker, Archäologe) | Produktion: Dewey Dell | Koproduktion: Societas, PACT Zollverein, BIT Teatergarasjen, Brut Wien, Tanzfabrik Berlin | Kollaboration: Buda Kunstencentrum, Dialogues – Performing Arts Residencies in der Villa Manin, Ateliersi.

 

Marc Philipp Gabriel, Kieron Jina
DOWN TO EARTH
Premiere · Performance
Fr 24.+ Sa 25.2.   18:00   Uferstudio 4   Eintritt: 9 €/5 €

Im quirligen Tanz über konstruierte Identitäten verdeutlichen Kieron Jina (Südafrika) und Marc Philipp Gabriel (Deutschland), dass die universellen Fragen „woher kommst du?“ und „was machst du?“ die Komplexität des Themas längst nicht mehr abbilden. Bestehende sozial-kodierte Tanzformen, Musiken und kulturelle Artefakte treffen zusammen und bespielen den menschlichen Körper als Projektionsfläche. Fremde Identitäten entstehen und zerschellen. Welche Wirk- und Handlungsmöglichkeiten haben wir, um Zuschreibungen und Projektionen auf uns zu durchbrechen? Kieron Jina und Marc Philipp Gabriel arbeiten seit 2013 zusammen. Für “Down to Earth“ schloss sich der südafrikanische Musiker Yogin Sullaphen an, der für die Performance komponieren wird.

Choreografie: Kieron Jina & Marc Philipp Gabriel | Musik: Yogin Sullaphen | Licht: Gretchen Blegen | Ausstattung: Marie Fricout | Ausstattungsassistenz: Liselotte Singer | Koproduktion: Tanzfabrik Berlin und University of Johannesburg Arts and Culture. Gefördert durch den Internationalen Koproduktionsfonds des Goethe Instituts und Dance Umbrella Festival (Johannesburg).

FU Tanzwissenschaft und HZT Berlin
TANZGESCHICHTE (N) NEU DENKEN
Installation + Gespräche
So 19.2.   16:00-18:30   Uferstudio 5   Eintritt frei

Die Tanzfabrik Berlin ist fast 40! Aber wie hat diese Institution die Geschichte des Tanzes in der Stadt geprägt? Rund um diesen innovativen Raum haben sich Künstler und Tanzwissenschaftler auf die Suche nach vergessenen Geschichten gemacht und die institutionellen Strukturen rund um die Entwicklung von Ausbildung, Produktion und Präsentationsforen beleuchtet. Wie waren die Anfänge der Contact Improvisation in Berlin? Was ist an deren Stelle getreten? Wie spiegelt die Tanzfabrik die gesellschaftspolitische Situation im Verlauf der Jahrzehnte? Der Blick in die Geschichte zeigt eine choreografische Recherche mit gesammelten Audio- und Videodokumenten, mit Interviews und Gesprächen in einer begehbaren Installation.

Looking, moving, talking… Re-thinking dance history/ies

Konzept, Idee: Kirsten Maar, Britta Wirthmüller | mit Künstler- und Wissenschaftlerinnen der FU Tanzwissenschaft und HTZ Berlin: Vasiliki Bara, Henriette Büchsenschütz, Jeanne Chapy, Nicole Fiedler, Helen Follert, Friederike Geisler, Nina Patricia Hänel, Sarah Gressmann, Agnes Kern, Nicole Kohlmann, Cintia Takacs, Katja Franziska Maria Wolf u.a.

 

Kollektive Arbeit
COLLECTIVE TEATIME#2: DECOLONIZING PERFORMANCE
Salon + Showing in englischer Sprache
Salon   Do 23.2.   18:00-20:00   Uferstudio 1   Eintritt frei
Showing   So 26.2.   16:00-18:30   Uferstudio 1   Eintritt: 5-10 €

Die Tanzfabrik Berlin lädt eine Gruppe People-of-Color-Künstler ein, eine Woche lang gemeinsam in einem Tanzstudio zu arbeiten. Es ist der Ausgangspunkt für Kollaborationen, Gespräche und Erfahrungsaustausch, um  die aktuellen Arbeitsbedingungen unter Tanz-und Performanceschaffenden in Berlin zu reflektieren.  Am Donnerstag wird der Raum in einem Salon auch für Publikum geöffnet, das sich dann dem entstandenen Dialog anschließen kann. Dazu kommt als Special Guest auch Black in Berlin. Am Sonntag findet ein Showing der künstlerischen Arbeit und Arbeitsmethoden statt.

Kollektive Arbeit: Sarah Bouars, Zwoisy Mears-Clarke, Nasheeka Nedsreal, Martha Hincapié Charry, Olivia Hyunsin Kim, Baly Nguyen, Jessica Taylor (Black in Berlin), Idan Sagiv Richter, Enis Turan und andere.

 

Ramona Nagabczynska & Karol Tyminski
apap PRODUCTION STUDIO BERLIN
Showing · Lecture Performance · Praxis in englischer Sprache
So 26.2.   19:00   Uferstudio 5   Eintritt frei

Die Tanzfabrik Berlin ermöglicht immer wieder internationalen Nachwuchskünstlern aus dem apap-Netzwerk im Rahmen einer Residenz in Berlin zu arbeiten. Aktuell sind die beiden polnischen Künstler Ramona Nagabczynska und Karol Tyminski in Berlin, die beide zwar zunächst eine streng klassische Ausbildung absolviert haben, dann aber die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Technik gesucht haben. Während Ramonas Arbeit die magische Seite des Tanzes aus einer melancholischen Sicht thematisiert, fragt der radikale Tänzerchoreograf Karol nach einem möglichen Selbst jenseits des kulturell vorgegebenen Rahmens.

Von und mit Ramona Nagabczynska und Karol Tyminski. In Kooperation mit der Tanzfabrik Berlin, gefördert durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten und apap-Performing Europe 2020, kofinanziert durch das Creative Europe Programme der Europäischen Union.

 

P-Bodies & Gäste
P-LABORATORY: WONDER ROOMS VOL1
Showing Lecture Performance – in englischer Sprache
Sa 18.2.   19:00   Uferstudio 14   Eintritt frei

Acht interdisziplinäre Künstler und Theoretiker treffen sich in einem eigens kreierten Workspace, um im Verlauf einer Woche zeitgenössische Positionen zur Hybridisierung von Lebenswelten zu verhandeln. Wie viel Merkwürdigkeit erträgt unser Blick? Macht Abweichung blind? Sind Daten Beziehung, Ordnung oder künstliche Beatmung? Das Labor ist Kuriositätenkabinett und Zukunftsarchiv. Das Leipziger P-Bodies Festival für zeitgenössischen Tanz und Performance lädt gemeinsam mit der Tanzfabrik am letzten Arbeitstag in den Experimentalraum ein, um Liegengebliebenem, Unvollendetem und Unerfülltem zu begegnen.

I’m yours, object. Stillness holds my gaze. Oh call for, desire. Loose ends are yet to come.

Konzept: David Eckelmann, Anelja Kasenow, Josefine Mühle | Researcher: Rosemarie Eberl, Jule Flierl, Rainer Görß, Josephine Mühle, Jochen Roller, Ania Rudolph, Stefan Weihrauch, Britta Wirthmüller und Gäste. Ein Projekt des P-Bodies Festival in Kollaboration mit der Tanzfabrik Berlin.

 

Dance On Ensemble & Gäste
REVISITING PROCESS AND PERFORMANCE
Performance
So 19.2.   19:00   Uferstudio 14   Eintritt: 9 €/5 €

In einem strukturierten Improvisationsabend stellt das neugegründete Dance On Ensemble drei Elemente seiner künstlerischen Arbeit vor: den kreativen Prozess, Kollaboration und Performance. Als Materialgrundlage dienen die vier bereits produzierten sowie die zwei gerade im Entstehen begriffenen Arbeiten. In Gastauftritten veranschaulichen die Künstler Martin Nachbar, Kat Válastur, Jan Martens und Rabih Mroué ihren eigenen künstlerischen Ansatz in der Zusammenarbeit mit Dance On und setzen neue Impulse.

DANCE ON ENSEMBLE: Ty Boomershine, Amancio Gonzalez, Brit Rodemund, Christopher Roman, Jone San Martin | Gäste: Jan Martens, Rabih Mroué, Martin Nachbar und Kat Válastur | Sound: Mattef Kuhlmey | DANCE ON ist eine Initiative von DIEHL+RITTER gUG, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, kofinanziert durch das Programm Kreatives Europa der Europäischen Union im Rahmen von DANCE ON PASS ON DREAM ON.

Als Grundlage dienende Arbeiten: “7 Dialogues“ – Matteo Fargion, “Water Between Three Hands“ – Rabih Mroué, “Those specks of dust“- Kat Válastur, “Catalogue (First Edition)“ – William Forsythe, “Tenacity of Space“ – Deborah Hay, “Man Made“ – Jan Martens, “Lokal Project“ – Martin Nachbar.

 

Siegmar Zacharias & Gäste
STUDIO 13: ECOLOGIES OF PRACTICE *
Talk + Practice in englischer Sprache
Mo 20. 2.   18:00-ca. 21:00   Uferstudio 13   Eintritt: 5 €  (incl. Suppe)

Ausgehend von ihrer Forschung zur Ökologie der künstlerischen Praxis lädt Siegmar Zacharias das Publikum ein, sich auf den spezifischen Aspekt der Fluidität zu fokussieren. Anhand von performativen Beispielen ihrer Arbeiten wollen Emma Haugh, Roni Katz, Técha Noble und Siegmar Zacharias folgenden Fragen nachgehen: Was sind Praktiken des Fluiden? Wie verhalten sie sich zur Ethik des Queering, der Arbeit des Erotischen, dem Affekt des Unheimlichen? Was für Technologien und Beziehungen bringen sie hervor?

We invite you to do, think, talk fluidity.

Gastgeberin: Siegmar Zacharias (Performance Künstlerin, Theoretikerin) in Zusammenarbeit mit Silke Bake, Alice Chauchat, Bettina Knaup | Gäste: Emma Haugh (Bildende Künstlerin, Researcher), Roni Katz (Choreografin, Tänzerin), Técha Noble (Performance Künstlerin, Designerin, Art Director). “Ecologies of Practice“ ist ein Recherche- und Gesprächsformat mit vier Ausgaben von und mit Silke Bake, Alice Chauchat, Bettina Knaup, Siegmar Zacharias und Gästen. * nach Isabelle Stengers