im toten winkel

toterWinkel_RudiNeumann

1 Philosoph, 1 Text, 1 Bühne und 2 Schauspieler
Maurizio Lazzarato: DER VERSCHULDETE MENSCH

 von der Lubricat Theatre Company in der Vierten Welt
Gespräch: 10.4.2014, 20 Uhr  |Maurizio Lazzarato im Gespräch mit Dirk Cieslak
Dritte Premiere: 11.4.2014, 20 Uhr |weitere Aufführungen 12.4. 2014, 20 Uhr

Der Philosoph Maurizio Lazzarato hat für die Vierte Welt einen Essay über das neoliberale Leben geschrieben. Der Text basiert auf seinem in mehreren Sprachen erschienen Buch „Die Fabrik des verschuldeten Menschen“. Darin verschiebt er die gängige Perspektive auf die Kapitalismuskrise und analysiert die Struktur der Verschuldung von Staat und Individuen.
Die Theater Company Lubricat setzt sich mit Lazzaratos Text in drei Übungen auseinander: Während in der ersten Übung die Kraft der neoliberalen Rationalität vorgeführt wurde, versucht die zweite Übung, am 27. und 28. Februar 2014 mit Lazzaratos Text einen Keil in die wie geschmiert laufende Reproduktionsmaschine neoliberaler Rationalität zu schlagen und die hermetische Logik so für einen Moment zum Ruhen zu bringen, um Raum für anderes Denken zu öffnen. Der dritte Teil erprobt im April die Abschaffung des neoliberalen Subjektes.

Die neoliberale Wende setzt in den 1970er Jahren ein und lässt den Geldmarkt zum Souverän der Ökonomie werden. Ab jetzt wird aus Geld mehr Geld gezaubert. Der alte Industrie-Kapitalismus erfindet sich neu, in dem er unmerklich, die allmächtige Figur des großen Gläubigers (Finanzmarkt – Finanzkrise – Schuldenkrise) generiert. Damit werden wir alle – der zum Unternehmer seiner Selbst gewordene Mensch, genau wie die arbeitende Arme  – in Schuldner verwandelt. Unser Fleisch, unser Leben, unsere Zukunft und unser Trieb zur Gemeinschaft wird zum Rohstoff der neuen Schulden-Ökonomie. Wenn wir bisher glaubten, der Archetyp gesellschaftlicher Ordnung sei der Tausch, so lernen wir mit Lazzarato, dass es vielmehr das Verhältnis von Schuldner und Gläubiger ist. Die menschliche Fähigkeit ein gegebenes Versprechens zu halten und seine Schuld zu tilgen, musste ihm, am Ursprung der gesellschaftlichen Ordnung, grausam in den Körper eingeschrieben werden. Der Kapitalismus bekommt so eine anthropologische Dimension und greift ganz unvermittelt nach unserer Existenz, nach der Zeit und der Zukunft, als offenem Raum menschlicher Möglichkeiten. Ein (neoliberaler) Alptraum! Die kapitalistische Produktion wird zur Antiproduktion. Wir leben nicht mehr in der Krise, wir leben in der Katastrophe. Und Lazzaratos Frage ist: Wie können wir diesem Alptraum entkommen und zu einer neuen Unschuld gelangen?
Die Performance-Reihe „Im toten Winkel“ befragt Lazzaratos Thesen danach, ob sie ein Werkzeug gegen die sich souverän im Kreise drehende Maschine neoliberaler Rationalität sein können.

 

Der in Paris lebende italienische Aktivist Maurizio Lazzarato lebt und arbeitet seit den 1970er Jahren im Pariser Exil. Er hatte an der Universität Padua studiert, wo er an der Bewegung Autonomia Operaia beteiligt gewesen war, weshalb er in Italien angeklagt wurde. Er forscht über immaterielle Arbeit, Zersplitterung der Lohnarbeiterschaft, Ontologie der Arbeit, Kognitiver Kapitalismus und postsozialistische Bewegungen. Lazzarato schreibt über Kino, Video und neue Techniken der Bildproduktion. Er gehört der Redaktion der Zeitschrift Multitudes an.

Die Theoriekantine #7

3. März, 20Uhr  in der Vierten Welt

Diskussion über die Positionen Lazzaratos zur Schuldenkrise

mit und von den Philosophen
Maria Muhle | Professorin für Ästhetische Theorie an der Merz Akademie Stuttgart

Juliane Rebentisch | Professorin für Philosophie und Ästhetik an der HfG Offenbach
Ludger Schwarte | Professor für Philosophie an der Kunstakademie Düsseldorf

Dirk Setton | Postdoc am Exzellenzcluster Herausbildung normativer Ordnungen an der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Info www.viertwelt.de

Vierte Welt | Neues Zentrum Kreuzberg | Galerie 1. OG | Kottbusser Tor | Adalbertstr. 96

Preise:  3€ |7€ |11€ |  Tickets unter karten@viertewelt.de oder 0157-88440941

 

Termine:

erste Premiere: Do. 27. + Fr. 28. Februar 2014, jeweils 20 Uhr
Diskussion: 3. März 2014, 20 Uhr
Zweite Premiere:  27.2.2014, 20 Uhr |weitere Aufführung 28.2.2014, jeweils 20Uhr
Diskussion: 3. 3.2014, 20 Uhr | Die Theoriekantine diskutiert die Thesen des Philosophen

 Von und mit Claudia Wiedemer und Marcus Reinhardt
Ausstattung: Valentina Primavera und Johannes Maas
Dramaturgie: Annett Hardegen
Text: Maurizio Lazzarato
Inszenierung: Dirk Cieslak

„Die Fabrik des verschuldeten Menschen“ Deutsch: b_books, Berlin 2012

Vierte Welt | Neues Zentrum Kreuzberg | Galerie 1. OG | Kottbusser Tor | Adalbertstr. 96

Preise:  11€ |3€ | 7 Tickets unter karten@viertewelt.de oder 0157-88440941

Eine Lubricat theatre company [at] Vierte Welt Kollaborationen Produktion. Gefördert durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten und durch die Konzeptionsförderung des Fonds Darstellende Künste e.V. aus Mitteln des Bundes.