politisches Solo

PI Elisa MüllerEine interdisziplinäre Aktionsform mit Vorträgen und Diskussionen

Von und mit müller*****/Elisa Müller
5., 6., und 7. September 2013, 20 Uhr
mit verschiedenen Schwerpunkten zur kommenden Wahl

Im Kontext der anstehenden Bundestagswahl eröffnet das Theater- und Performancelabel müller***** mit der  Produktion “Politisches Solo” erneut den Diskursraum Theater. Überall auf der Welt wird der Ruf nach „Mehr Demokratie!“ hörbar. Menschen fordern Möglichkeiten ein, sich zu beteiligen und in freien Wahlen gemeinsam zu entscheiden. Auch hier in Deutschland ist es die üblichste und bekannteste Form der demokratischen Beteiligung, bei der Bundestagswahl die eigene Stimme abzugeben. Welchen Wert oder Nutzen aber hat das politische Instrument „Wählen“? Was wollen wir von der politischen Organisationsform Demokratie und was will diese von uns? In der Vierten Welt wird ein Labor eingerichtet, in dem darüber diskutiert werden kann, wie wir politisches Handeln in der Demokratie begreifen.

Auf der Suche nach konventionellen und unkonventionellen Partizipationsformen setzt sich Elisa Müller in ihrer Performance Politisches Solo einer radikalen Selbstbefragung aus und überprüft ihr bisheriges und ihr noch nicht getätigtes, mögliches und notwendiges, zukünftiges, politisches Handeln: Die eigene Stimme bei der Bundestagswahl abzugeben scheint die Form aktiver Beteiligung zu sein, die mit wenig Mühe verbunden ist. Andere erfordern mehr Einsatz und größeren Aufwand. Doch egal ob es sich um eine Unterschrift bei einer Online-Petition via facebook, den Leserbrief zu einem strittigen Thema, das Engagement in einer Menschenrechtsorganisation oder die Teilnahme an Versammlungen und Demonstrationen handelt – die Möglichkeiten zur Bildung von Gegenöffentlichkeiten und solidarischen Allianzen erscheinen wie ein ständiger Appell: Handle, interveniere!
Die Performerin Elisa Müller fragt sich in Politisches Solo: Wo beginnt die eigene Verantwortung? Wie können wir tatsächlich konkreten Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse erlangen? Wie ist politische Mitbestimmung in unserer Demokratie zu verstehen und anzuwenden? Politisches Solo beantwortet diese Fragen nicht anhand einer abstrakten Analyse von Systemen, Diskursen, Macht- und Gewaltverhältnissen, sondern thematisiert explizit den eigenen Aktionsraum und das ganz alltägliche Tun.
Ausgehend von dem Wunsch, sich nicht nur als passive Konsumentin bestehender Systeme zu fühlen, macht Elisa Müller sich auf die Suche nach Ursachen für dieses Problem. Sie konfrontiert sich und die Zuschauer mit Begriffen wie Verantwortung, Empathie, Solidarität: Nur noch leere, abgenutzte Worthülsen oder vielleicht doch greifbare, anwendbare Konzepte?
Spielerisch überprüft, sortiert und erprobt Politisches Solo gemeinsam mit dem Publikum die Instrumente, Motivationen und Strategien politischen Handelns in der Organisationsform Demokratie neu: Politisches Solo ist nicht nur Performance, sondern zugleich interdisziplinäre Aktionsform. Im Anschluss an die Aufführung kommt es an jedem Abend zu einem Blickwechsel: Unter diesem Titel sind Experten aus Politik und Wissenschaft zu Gast, um aus ihrer Perspektive darüber zu sprechen, welchen Sinn oder welche Funktion Wahlen zugeschrieben werden und welche Möglichkeiten der Partizipation uns das System Demokratie bietet oder bieten könnte. Es darf diskutiert werden.

BLICKWECHSEL mit Impulsvortrag und Diskussion
Politik beginnt da, wo der Konsens endet und Meinungen verhandelt, konfrontiert, diskutiert werden müssen. Im Anschluss an die Aufführung kommt es an jedem Abend zu einem Blickwechsel: Unter diesem Titel sind Experten aus Politik und Wissenschaft zu Gast, um aus ihrer Perspektive darüber zu sprechen, welcher Sinn oder welche Funktion Wahlen oder dem Parteiensystem zugeschrieben werden und welche Möglichkeiten der Partizipation uns das System Demokratie bietet oder bieten könnte. Es darf diskutiert werden!

05. September 2013
(Nicht)Wählen als politische Strategie?
“Wahlenthaltung in Zeiten der Selbstentmachtung des politischen Systems”
(Horst Kahrs, Rosa-Luxemburg-Stiftung)
Sind Wahlen ein geeignetes Instrument für eine Regierung des Volkes durch sich selbst? Warum wächst gerade unter Wahlberechtigten in prekären Lebensverhältnissen die Wahlenthaltung? Was ändert sich, wenn wir (nicht) wählen? Horst Kahrs stellt Ergebnisse seiner Studie “Abschied aus der Demokratie” zur Debatte.

06. September 2013
Repräsentation als politische Strategie?
“Populäre Kritik an und gern übersehene Notwendigkeit von Parteien”
(Carsten Koschmieder, FU Berlin)
Stimmt es, dass die Menschen der Politik und den Parteien immer weniger vertrauen? Wie entsteht “Parteienverdrossenheit”? Wozu brauchen wir Parteien, und wie kann und sollte man ihr Verhältnis zur Bevölkerung denken? Carsten Koschmieder argumentiert, warum die Behauptung, es gäbe eine Spaltung zwischen Parteien und Bürger_innen, problematisch ist.

07. September 2013
Partizipation als politische Strategie?
“Das Ideal der direkten Demokratie”
(Dr. Michael Efler, Mehr Demokratie e.V.)
Welche Formen der direkten Demokratie gibt es? Wie wird Bürgerbeteiligung hier und anderswo in die Praxis umgesetzt? Wo stoßen die repräsentative Demokratie und das Parteiensystem momentan an ihre Grenzen? Michael Efler legt dar, in welche Richtung sich unsere Demokratie entwickeln kann und muss.

Karten| 030 – 409 83 195 • tickets@ehrlichearbeit.de

Konzept/Performance Elisa Müller
Dramaturgische Mitarbeit Fanny Frohnmeyer
Inhaltliche Mitarbeit/Rahmenprogramm Inga Schaub
Inhaltliche Mitarbeit/Recherche Leena Crasemann
Inhaltliche Mitarbeit/Ausstattung Michaela Muchina

Eine Produktion von müller***** in Kooperation mit Vierte Welt Berlin, dem FFT (Forum Freies Theater) Düsseldorf und dem FKT (Freies Kunst Territorium) Bochum. Gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, das NRW Landesbüro Freie Kultur und den Fonds Darstellende Künste e.V. Mit freundlicher Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung und in Medienpartnerschaft mit taz und Neues Deutschland.
www.labelmüller.de