Die Kunst ist kein Ziel für sich

Ein lebendiger Kunstraum auf den Spuren der revolutionären Künstlerin Asja Lācis

Mit Die Kunst ist kein Ziel für sich verknüpfen die Kuratorinnen Konstanze Schmitt und Mimmi Woisnitza die avantgardistische Praxis der lettischen Theatermacherin, Pädagogin und Revolutionärin Asja Lācis mit künstlerischen, wissenschaftlichen und aktivistischen Perspektiven der Gegenwart. Ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm aktiviert die Ausstellung.

Was tun? Was tun!

In thematisch strukturierten Ausstellungsräumen nehmen Künstler*innen der Gegenwart Aspekte aus Lācis’ emanzipatorisch-revolutionärem Schaffen auf und knüpfen in ihren Arbeiten an die Ideen- und Lebenswelt der Konstruktivistin an. Das Befragen von Machtstrukturen, die künstlerische Positionierung gegen den Faschismus, die revolutionäre Kraft des Theaters und der feministische Blick auf Beziehung, Mutterschaft und Care-Arbeit stehen im Zentrum der Ausstellung. Dabei kommen theaterpädagogische Ansätze ebenso zum Tragen wie aktivistische und dokumentarische Spielweisen, die aufbegehren, infrage stellen und versuchen, die Welt im Kleinen oder Größeren zu verändern. Zwei Räume mit Archivmaterial regen darüber hinaus mit Schrift-, Bild- und Tondokumenten zur vertieften Auseinandersetzung mit Asja Lācis an. In zahlreichen Begleitveranstaltungen öffnen sich Begegnungsräume, die mit Laboren, Workshops und künstlerischen Interventionen auf mobilen Bühnen in- und außerhalb des Kunstraums gemeinsames Handeln und Denken ermöglichen. 

Wenn die Kunst erstarrt, beginnt die Katastrophe

Die konstruktivistische Theatermacherin Asja Lācis (1891–1979) entwickelte und realisierte neue Formen von Kinder-, Arbeiter- und Kolchostheater. Sie arbeitete mit Walter Benjamin, Bertolt Brecht und Erwin Piscator zusammen und war in den 1920er-Jahren die bedeutendste Mittlerin zwischen den Avantgarden in Berlin, Moskau und Riga. 1921 veröffentlichte Lācis das Manifest „Neue Richtungen in der Theaterkunst“, das mit der Feststellung beginnt: „Die Kunst ist kein Ziel für sich.“

Die Künstlerin und Theatermacherin Konstanze Schmitt und die Kultur- und Theaterwissenschaftlerin Mimmi Woisnitza arbeiten seit 2022 gemeinsam zu Asja Lācis. Ihr Anliegen ist die Zusammenführung künstlerischer und wissenschaftlicher Forschungsformate, um neue Denk- und Handlungsräume zu eröffnen. Die Kunst als Proberaum für neue Arbeits- und Beziehungsweisen, die Verantwortung für die Gesellschaft und deren Gestaltung übernimmt – diese Prämisse von Asja Lācis’ ist es, die Schmitt und Woisnitza in ihrer Auseinandersetzung mit der in Vergessenheit geratenen Revolutionärin in den Vordergrund stellen.

Ein Projekt von Konstanze Schmitt & Mimmi Woisnitza

Künstlerische Positionen im Raum Chto Delat, Cinéma Copains, Contra Filé, Alice Creischer, Zhenya Efros, Inga Gaile, Anton Kats, Kollektiv Lauratibor, Karlheinz Mund, Mirja Reuter & Florian Gass, Elske Rosenfeld & Olia Sosnovskaya, Konstanze Schmitt, Luise Schröder, Andreas Siekmann, Theater o.N. Performances von Bühnen zu Baustellen | Baustellen zu Bühnen, Christian Filips & Margarita Breitkreiz, Lauratibor Kiezchor, Meckerchor, Anna Stiede mit Panzerkreuzer Rotkäppchen Lectures & Workshops mit Inga Gaile, Federico Geller, Tatjana Hofmann, Susan Ingram, Ewa Majewska, Olga Martynova, Luise Meier, Simone Niehoff, Florian Thamer & Tina Turnheim, Beata Paškevica Filmprogramm Yulia Lokshina, Payal Kapadia, Karlheinz Mund, Erwin Piscator Szenographie Philine Rinnert Grafik Studio Rada B.


Eröffnung       10. April 2026, 17–23 Uhr, Begrüßung 19 Uhr
Finissage          28. Juni 2026, 18–20 Uhr
Veranstaltungen      
10.–12., 16. April, 23.–25. April, 7. Mai, 4.,5. , 25.–27. Juni 2026    
Die Teilnahme and en Workshops ist kostenlos und offen für alle
Anmeldung erbeten.       

Ort                                                   
Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

Öffnungszeiten & Tickets           
täglich 10–20 Uhr, Eintritt frei (geschlossen am 1. Mai)

Weitere Infos                                
https://kunstraumkreuzberg.de/programm/die-kunst-ist-kein-ziel-fuer-sich/

VERANSTALTUNGSPROGRAMM
Die Kunst ist kein Ziel für sich
Ein lebendiger Kunstraum auf den Spuren der revolutionären Künstlerin Asja Lācis

10.–12. April 2026
Antifaschistisches
Arbeiter*innentheater Heute

Der Themenschwerpunkt des Eröffnungswochenendes setzt den Ton der Ausstellung und verbindet uns direkt mit dem Anliegen von Asja Lācis: Wie handeln, was tun wir als Kulturarbeiter*innen in Zeiten von Krise und Krieg, von weltweit zunehmenden autoritären und faschistoiden Tendenzen? Gemeinsam begeben wir uns in einem Workshop mithilfe einer Zeit-Raum-Maschine und in Vorträgen und Performances auf die Spuren von Asja Lācis, schreiben sie weiter in die Gegenwart.


10.4.  Freitag

17 Uhr                Eröffnung
19 Uhr               Begrüßung
21 Uhr                Konzert, antifaschistisches Jodelduo Esels Alptraum

11.4.  Samstag

13–17 Uhr            Raum/Zeit Lācis
                                  Ein archi­varisches Experimentierkabinett.
                                (Anmeldung bis 9.4. unter asjalacis@posteo.de)

19 Uhr                 Experimental freedom
                         Antifascist future begins today, Lecture von Ewa Majewska (engl.)

12.4.  Sonntag
14 Uhr
                    Performance Walk
                                  mit Zhenya Efros, Start: Kunstraum Kreuzberg (dt./engl.)

17 Uhr                 Cyankali
                          
Performance nach Friedrich Wolf von Anna Stiede mit Panzerkreuzer Rotkäppchen (dt.)
                           Ort:Grüne Bühne, Hellersdorf, Eintritt 10/5 Euro.

                            Im Anschluss Künstler*innen­gespräch mit Anna Stiede und Zhenya Efros (dt./engl.)

Kuratorinnenführung und Filmabend mit Gespräch  
16.4. Donnerstag

17 Uhr             Kuratorinnenführung (dt./engl)
19 Uhr              Mit-Arbeiterinnen
                       
Feministische Frauenporträts von Karlheinz Mund, DDR, 1972–1986, in Anwesenheit des
                              Filmemachers (dt.)

23.–25.4.2026

Sliktā māte Schlechte Mutter Bad Mother

Eine feministische Rück-Show auf Asja Lacis

Wie lassen sich politische, künstlerische und persönliche Selbstbestimmung mit Mutterschaft vereinbaren? Diesen bis heute aktuellen Frage widmet sich das Theaterstück “Sliktā māte”, das die Rigaer Autorin Inga Gaile 2023 über Asja Lācis schrieb. Ausgehend von Lācis werden in dem Workshop zur revolutionären Mutterschaft historische Fallstudien zu weiteren Müttern und Elternschaft in den Künsten untersucht. Die Rauminstallation und Lesung von Inga Gaile und der Berliner Künstlerin Alice Creischer eröffnet einen feministischen Resonanzraum von Lācis in der Gegenwart, der durch Vertonungen des Lauratibor Kiezchors verstärkt wird. Auf weitere Spurensuche zur Schlechten Mutter und dem Arbeitertheater begibt sich das Performance-Kollektiv Bühnen zu Baustellen | Baustellen zu Bühnen auf den Mariannenplatz.

23.4.  Donnerstag

14–17 Uhr           Revolutionary Mother­hood I
                          
Work­shop mit Caroline Adler, Wiebke Bernstorff, Florian Kappeler, Liza Mattutat, Sarah Ralfs, Atonia Rohwetter, Mimmi Woisnitza (dt./engl) (Anmeldung bis 22.4. unter asjalacis@posteo.de)
18 Uhr                 Lācis as Litmus Test
                                  Lecture by Susan Ingram (engl). 
20 Uhr                 Bad Mother
                          
Kollektive Lesung mit Inga Gaile, Alice Creischer und dem Lauratibor Kiezchor (dt./engl./latv.)

24.4.  Freitag

11–16 Uhr            Revolutionary Mother­hood II
                                  Fortsetzung von Revolutionary Motherhood! – offen für alle Workshop (dt./engl.)

25.4.  Samstag

14–19 Uhr           Bühnen zu Baustellen | Baustellen zu Bühnen
                          
Performance (dt./engl.)
                                  Ort: Mariannenplatz

Filmabende mit Gespräch  

7.5. Donnerstag
17 Uhr             Kuratorinnenführung (dt./engl.)
19 Uhr              A Night of Knowing Nothing

                              Payal Kapadia, Dokumentarfilm, FR/ Indien, 2021 (engl. UT)

21.5. Donnerstag

17 Uhr             Kuratorinnenführung (dt./engl.)
19 Uhr              Active Vocabulary

                              Yulia Lokshina, Dokumentarfilm, D, 2025 (dt./russ. mit engl. UT), in Anwesenheit der
                              Filmemacherin

4.–5. Juni 2026

Lācis & Co.

Akteurinnen – Transit – Narrative

Der Workshop fragt nach den Schreibweisen, mit denen Autorinnen, Journalistinnen und Künstlerinnen ihre Migrationsbewegungen in den ost(mittel)europäischen Avantgarden reflektieren, und sucht darüber hinaus nach Rezeptionsechos, Vergleichslinien und Fragen in der Gegenwart.

4.6.  Donnerstag

14-17 Uhr           Workshop I mit Annelie Bachmaier, Anna Kipke, Iryna Kovalenko, Nadine Menzel, Katharina
               Tschelidze, Marina Sivak, Beata Paškevica, Ievgeniia Voloshuk, Mimmi Woisnitza (dt.)

                              (Anmeldung bis 3.6. unter asjalacis@posteo.de)

18 Uhr                Die Zwangsjacke der Nicht-Erinnerung: Asja Lācis und die lettisch-italienischen
                        Avantgarden
 Vortrag von Beata Paškevica (dt.)

20 Uhr                 Film Māra (2014), Lācis’ Enkelin im Porträt (dt./engl./lv.), in Anwesenheit von Māra Ķimele

5.6.  Freitag

10 -17 Uhr        Workshop II (dt.)
                              Fortsetzung von Workshop I – offen für alle

18 Uhr                Das Wissen der Poesie
                              Lesung mit Olga Martynova und Tatjana Hofmann (dt.)

19 Uhr             Transitraum Übersetzung
Gesprächsrundemit Nicolas Auzanneau, Margherita  Carbonaro und Lil Reif (dt./engl.)

25.–27.6. 2026

A Rebelão Das ­Crianças The Kids are Outside

Am letzten Wochenende der Ausstellung bringen wir künstlerische und aktivistische Positionen aus der Ausstellung und darüber hinaus miteinander in Austausch. Anhand der Themen Kindertheater und Interventionen im öffentlichen Raum kommen Akteur*innen aus verschiedenen Teilen der Welt zum gemeinsamen Lernen und Arbeiten zusammen.

25.6.  Donnerstag

16–20 Uhr        Proletarisches Kindertheater
                       
Werkstatt mit Florian Gass, Federico Geller, Mirja Reuter u.a. (dt./engl.)

26.6.  Freitag

11-14  Uhr        Kunst machen mit der Stadt
                       
Panel mit Contra Filé, Kollektiv Lauratibor, Theater o.N., Theater X (dt./engl.)

15–18 Uhr        The Kids are Outside
                              Offener Workshop (dt./engl.)
                              mit Contra Filé, Florian Gass, Federico Geller, Mirja Reuter (dt./engl.)
                              Ort: Temporäre Spielstraße Naunynstraße

21.30 Uhr           Aufstand der Fischer
Film und Performance nach Erwin Piscator von Margarita Breitkreiz & Christian Filips, Freiluftkino Kreuzberg (Eintritt 7,50 Euro)

27.6.  Samstag

13–17 Uhr        Meckern mit dem Meckerchor
                       
Partizipative Performance im öffentlichen Raum und ÖPNV (dt.)

In Kooperation mit dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, gefördert aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, dem Hauptstadtkulturfonds (HKF) und dem Fonds für Ausstellungsvergütungen für Bildende Künstler*innen (FABIK). Unterstützt durch den Sonderforschungsbereich 1512 „Intervenierende Künste“ der FU-Berlin.

Der Kunstraum Kreuzberg/Bethanien ist eine Einrichtung des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg.